Full text : Handwörterbuch der Preußischen Verwaltung. Zweiter Band (L-Z). (2)

Militärkonventionen  —  Militärpersonen

pröpste,  deren  Geschäfte  von  den  Feldpröpsten
wahrgenommen  werden.  Für  die  Armeekorps
sind  Militäroberpfarrer,  welche  nach  AE.  vom
26.  Sept.  1908  (KGVBl.  157)  den  Titel  „Konsistorialrat“
  führen,  für  die  Divisionen  Divisionspfarrer
  bestellt  (in  der  Marine  Marineoberpfarrer
  und  Marinepfarrer),  außerdem  nach  Bedarf
  Garnisons=  und  Anstaltspfarrer.  Die
Militärgeistlichen  sind  obere  Militärbeamte
  im  Offizierrang.  An  den
Einrichtungen  der  Landeskirchen  nehmen  die

Militärkirchengemeinden  Anteil.
Froelich,  Heerwesen,  1881,  S.  443  ff.  (zum  Teil
veraltet):  Niedner  im  VerwArch.  11,  16  ff.

Militärkonventionen.  Während  die  Kriegsmarine
  des  Reiches  nach  Art.  53  RV.  eine
einheitliche  ist,  setzt  sich  das  Heer  aus  den  Kontingenten
  der  einzelnen  Bundesstaaten  zusammen
(Art.  60),  deren  Präsenzstand,  Gliederung  und
Einteilung  der  Kaiser  bestimmt  (Art.  63).  Ebenso
steht  dem  Kaiser  die  Ernennung  des  Höchstkommandierenden
  eines  Kontingents,  sowie  aller
Offiziere,  welche  Truppen  mehr  als  eines  Kontingents
  befehligen,  zu  (Art.  64),  während  im
übrigen  die  Militärhoheit  den  Landesherren
(Bundesfürsten  und  freien  Städten)  geblieben
ist  (Art.  66).  Dieser  Militärhoheit,  welche  auch
das  Recht  der  Ernennung  der  Offiziere  in  sich
schließt,  haben  sich  die  deutschen  Staaten,  mit
Ausnahme  von  Bayern,  Württemberg  und
Sachsen,  begeben  und  dieselbe  durch  M.,  auf
welche  bereits  im  Art.  66  verwiesen  ist,  dergestalt
  auf  den  König  von  Preußen  übertragen,
daß  unter  Aufrechterhaltung  gewisser  Rechte,
insbesondere  Tragen  der  Landeskokarde  seitens
der  Landesangehörigen,  Begnadigungsrecht,
Ehrenrechte  usw.  der  Kontingentsherren,  sowie
unter  Vorbehalt  der  Bestimmung  der  Garnisonorte
  der  betreffenden  Truppenteile,  Beibehaltung
von  Uniformabweichungen,  Abzeichen  usw.,  die
einzelnen  Kontingente  zu  Bestandteilen  der
preuß.  Armee  geworden  sind.  Auch  mit  Sachsen
sind  unterm  7.  Febr.  1867  und  mit  Württem- 



berg  unterm  21./25.  Nov.  1870  M.,  erstere  o

von  dem  König  von  Preußen  als  Bundesseldherrn,
  letztere  vom  Norddeutschen  Bunde,
geschlossen  worden,  welche  indessen  insofern  einen
völlig  anderen  Charakter  an  sich  tragen,  als  sie
im  OGegensatz  zu  den  übrigen  M.  die  militärische
Selbständigkeit  der  betreffenden  Kontingente  zur
Voraussetzung  haben.  Für  Bayern  ist  auf
militärischem  Gebiete  der  Vertrag  vom  23.  Nov.
1870  maßgebend,  welcher  ebenso  wie  die  M.
mit  Württemberg  einen  Teil  der  RV.  bildet
(G.  vom  16.  April  1871  —  Röl.  63  —  92).
Über  die  rechtliche  Natur  der  M.  mit  Sachsen
(Drucks.  des  Rk.  1873  Nr.  18)  bestehen  in  der
Rechtswissenschaft  Zweifel;  tatsächlich  bildet  sie
die  unangefochtene  Grundlage  des  militärischen
Verhältnisses  von  Sachsen  zum  Reich.  Entsprechend
  der  vorstehend  dargelegten  Gestaltung
erfolgt  die  Formierung  der  Armcekorps  von
Bayern  (3),  Sachsen  (2),  Württemberg  (1)  und
Preußen  gemeinschaftlich  mit  den  übrigen  Staaten
(17)  (G.  vom  25.  März  1899  —  RBl.  215  —

Art.  1  §  30.  S.  auch  Heeresverfassung.

Laband,  Deutsches  Staatsrecht  Bd.  401901)  S.  21  ff.

Zoyrn,  desgl.  Bd.  2  (1897)  S.  525  ff.
l

Militärlehrschmieden  s.  Militärveterinärwesen,
  Hufbeschlaggewerbe.

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Militärpensionsgesetze  (allgemein).  Die  Versorgung
  der  Personen  des  Soldatenstandes  des
Heeres  und  der  Marine,  sowie  der  Schutztruppen
und  ihrer  Hinterbliebenen  beruht  gegenwärtig
  auf  den  mit  Gesetzeskraft  vom  1.  Juli
1906  ab  erlassenen  Gesetzen  über  die  Pensionierung
  der  Offiziere,  einschließlich

  Sanitätsoffiziere  des
Reichsheeres,  der  Kaiserlichen
Marine  und  der  Kaiserlichen

Schutztruppen  vom  31.  Mai  1906  (R-Bl.
  565;  s.  Offizierspensionsgesetz);
über  die  Versorgung  der  Personen
der  Unterklassen  des  Reichsheeres,
  der  Kaiserlichen  Marine
und  der  Kaiserlichen  Schutztruppen
  vom  31.  Mai  1906  (Rl.
593;  fs.  Mannschaftsversorgungsgescetz)
  und  dem  Militärhinterbliebbenengesetz
  vom  17.  Mai  1907  (RGBl.
1214).  Durch  diese  drei  Gesetze  sind  alle  früheren,
  auf  diesem  Gebiete  erlassenen  Gesetze  aufgehoben
  worden;  insbesondere  gilt  dies  auch
won  der  Versorgung  der  Kriegsinvaliden  und
Kriegshinterbliebenen,  soweit  diese  bisher  durch
G.  vom  31.  Mai  1901  (Röl.  193)  geregelt
war.  Ebenso  ist  das  Unfallfürsorgegesetz  vom
18  Juni  1901  (Ro  Bl.  211)  in  bezug  auf  die
Persdnen  des  Soldatenstandes  in  Fortfall  gekommen,
  so  daß  dasselbe  nur  noch  für  die  Beamten
  der  Reichszivilverwaltung,  sowie  die  Beamten
  der  Heeres=  und  der  Marineverwaltung,
sowie  der  Schutztruppen  in  Kraft  steht.  Materiell
nunterscheiden  sich  die  neuen  Gesetze  von  den  bisherigen
  wesentlich  dadurch,  daß  die  Pensionsverhaltnisse
  der  Offiziere  ufw.  gegenüber
dem  früheren  Zustande  ungleich  günstiger  gestaltet
  worden  sind,  während  die  Versorgung
der  Mannschaften  auf  eine  völlig  neue
Grundlage  gestellt  worden  ist,  indem  unter  Erhöhung
  der  Pensionssätze  einerseits  die  Versorgung
  lediglich  auf  Grund  aufgehobener
er  verminderter  Erwerbs-[fähigkeit
  eintritt,  andererseits  die  Höhe
der  Versorgung,  unter  Abstufung  des  Grundbotrages
  nach  den  verschiedenen  Dienstgraden,
nur  nach  dem  Grade  der  Verminderung
  bemessen  wird.  Auch  sind  die  Bestimmungen
  für  die  Erteilung  des  Zivilversorgungsscheins
  gcändert  worden  (s.  Zivilversorgungsschein).
  Wegen  der  Gewährung  von
Beihilfen  an  bedürftige  Teilnehmer  des
Krieges  1870/71  und  der  früheren  Kriege  deutscher
  Staaten  (G.  vom  22.  Mai  1895  —  R#l.
237)  s.  Kriegsunterstützungen.

Militärpersonen.  I.  M.  sind  die  Personen
des  Soldatenstandes  des  aktiven  Heeres,  der
Marine  und  der  Schutztruppen  (s.  Soldatenstand)
  und  die  Militärbeamten  (s.
[Militär(Marine)  beamteyh.  Die  Offiziere
  und  Mannschaften  des  Beurlaubtenstandes
  gehören,  soweit  sie  nicht  zum  aktiven
Dienst  eingezogen  sind,  nicht  zu  den  M.,  sind
aber  in  gewissen  Beziohungen  den  für  diese
ergangenen  Bestimmungen  unterworfen  (s.  Beurlaubtenstand
  und  Militärgerichtsbarkeit).


II.  Die  Notwendigkeit,  zur  Verteidigung  des
Vaterlandes  die  Wehrkraft  auf  die  höchste  Stufe