Full text : Gesetz-Sammlung für die Königlich Preußischen Staaten. 1861. (52)

50  Erstes  Buch.  Die  Erhebung  zur  Großmacht.

Einfluß  Oesterreichs  und  das  englische  Gold.  Am  9.  Oktober
wurde  in  Warschau  die  Allianz  Sachsens  mit  Oesterreich,  Holland
  und  England  unterzeichnet.  Friedrich,  der  Tabor,  Budweis
und  Frauenberg  genommen  hatte,  ließ  durch  Leopold  von
Dessau  die  Mark  gegen  einen  sächsischen  Handstreich  decken.  Er
selbst  wollte  durch  einen  Sieg  über  Karl  von  Lothringen  den
Feldzug  entscheiden.  Aber  der  vorsichtige  Gegner  wich  ihm  aus
und  bedrohte  seine  Verbindung  mit  Prag.  Auch  litt  das  preuhßische
  Heer  Mangel,  namentlich  an  Fourage.  Als  es  deshalb
Anfang  Oktober  über  die  Moldau  zurückgehen  mußte,  wuchsen
die  Schwierigkeiten.  Die  Verpflegung  war  unzureichend,  die
Bewegung  durch  das  Terrain  gehindert,  die  Bevölkerung  feindselig.
  Die  Ruhr  brach  aus  und  die  Oesterreicher,  nach  Ankunft
von  20  000  Sachsen  dem  König  überlegen,  drängten  stärker
nach.  Die  Truppen  verzagten,  die  Disziplin  lockerte  sich,  die
Desertionen  nahmen  in  beunruhigendem  Maße  zu.  Wurde
man  von  Prag  albgedrängt,  so  stand  alles  auf  dem  Spiele.
Dazu  kam  die  wachsende  Sorge  vor  Nußland,  das  hinter
Sachsen  stand.  Die  französische  Kriegführung  aber  blieb  erbärmlich.
  Auch  der  Angriff  auf  Hannover  erfolgte  nicht.
Böhmen  mußte  weiter  geräumt  und  nach  dem  Mißlingen  eines
letzten  Versuchs,  den  Lothringer  zum  Schlagen  zu  nötigen,  der
Rückzug  nach  Schlesien  angetreten  werden.  Unter  den  schwierigsten
  Umständen  wurde  er  trotz  der  vorgerückten  Jahreszeit
glücklich  und  ohne  nennenswerten  Verlust  ausgeführt.  Auch
die  Besatzung  von  Prag  schlug  sich  durch.

Die  Gegner  Friedrichs  triumphierten.  Die  abmahnenden
Stimmen  in  seiner  Umgebung  erhoben  sich  lauter.  Man  bezweifelte
  die  Brauchbarkeit  des  Heeres,  und  weite  Kreise  teilten
die  daraus  entsprungenen  Befürchtungen.  Aber  schon  hatte
der  König  die  Reorganisation  der  Truppen  in  die  Hand  genommen.
  Auf  Grund  eines  Generalpardons  kehrten  von  den
massenhaft  Entlaufenen  gerade  die  Tüchtigsten  zu  den  Fahnen
zurück.  Mit  der  Verpflegung  wurde  auch  die  Stimmung  besser;
die  Krankheit  ließ  nach.  Dazu  kam  die  Ergänzung  durch  neu
ausgebildete  Mannschaften.  Das  Beispiel  unverbrüchlicher  Pflichttreue,
  das  die  Offiziere  gaben,  obenan  Leopold  von  Dessau  mit