316 Bayern unter Karl Theodor.
nach Art des spanischen und französischen Hofes zu kleiden und
die Moden des Auslandes nach Bayern zu verpflanzen.
Die Rechte, welche dem Landesherrn in Bezug auf geistliche
Angelegenheiten zustanden, wurden seit den Zeiten Albrechts IV.
durch den geistlichen Rath geübt und fanden durch das Concordat,
welches Herzog Wilhelm V im Jahre 1583 unter Vermittlung
des päpstlichen Nuntius Felicianus mit den Bischöfen des Landes
schloß, eine genauere Feststellung. Da dessenungeachtet die Klagen,
der Bischöfe über Eingriffe der weltlichen Gewalt in das geistliche
Gebiet nicht verstummten, so waren die Regenten genöthigt,
ihrem geistlichen Rathe wiederholt (1608, 1627) neue Instruktionen
zu ertheilen und den Geschäftskreis dieses Collegiums näher zu
bestimmen.
Ackerbau, Handel, Gewerbe, Kunst und das Militärwesen
waren in dieser Zeit bald in Blüthe, bald in Versall,
je nachdem das Land mit der Wohlthat des Friedens beglückt
oder von dem Verderben des Krieges heimgesucht war; nur die
Wissenschaft blieb von den Stürmen, die allenthalben tobten,
ziemlich unberührt und machte die erfreulichsten Fortschritte.
Fiebentes Rapitel.
Bayern von der Thronbesteigung des Kurfürsten Karl
Theodor von der Rheinpfalz") bis auf die Gegenwart
(1777—1867)“7).
& 103. Kurfürst Karl Theodor von der Rheinpfalz
(1777—17)99), dem der Abstammung und den vorliegenden wittels-*)
Die Geschichte der Rheinpfalz vor der Erhebung Karl Theodors
auf den bayerischen Thron findet sich im Anhange unter Lit. A.
*“) Die Regenten Bayerns während dieser Zeit sind:
Karl Theodor 1777—1799.
Maximilian I Joseph 1799—1825.
Ludwig I August 1825—1848.
—.
Maximilian II 1818—1864.
Ludwig II seit 1864.