Full text : Der Weltbrand. Deutschlands Tragödie 1914-1918. Erster Band. (1)

Die  4.  Armee  (Auffenberg)  fand  bei  ihrem  Vormarsch  auf  Cholm  stärkeren
Wlderstand  nördlich  von  Tomaszow  in  der  Gegend  von  Tarnowatka.  Hler
entbrannte  eine  selbständige  Schlacht.  Zn  verbissenem  Ringen  rannten  die
Osterreicher  immer  wieder  gegen  die  festen  Stellungen  der  Russen  an,  dle  von
Osten  her  stets  neue  Reserven  beranzogen.  Aber  auch  der  Angrelfer  erdielt
Verstärkungen,  welche  der  vor  Lemberg  des  Feindes  barrenden  3.  Armee  entnommen
  werden  mußten.  Unter  dem  Befehl  des  Erzberzogs  Josef  Ferdinand
griffen  dlese  am  rechten  Flügel  der  hart  ringenden  Armee  Auffenberg  in  den
Kampf  ein.  Am  29.  und  30.  August  gelang  es,  die  Hauptstellung  der  Russen
belderseitig  zu  umfassen  und  zu  Falle  zu  bringen.  Vergebens  ballten  die  Russen
sich  auf  der  Linle  Komarow-Tyzowice  noch  einmal  zu  verzweifeltem
Widerstand  zusammen  —  vergebene  warfen  sie  ihre  letzten  Derstärkungen
beran.  Beide  Eckpfeiler  der  neuen  Verteidigungelinie  sielen  am  1.  September,
und  nun  wich  der  Russe  nach  schweren  Verlusten  in  hastigem  Rückzug  auf  Wladimir-Wolpnsk
  zurück.  So  hatten  zwel  selbständige  Schlachtbandlungen  der
beiden  österreichischen  Angriffsarmeen,  die  allerdings  am  Berübrungepunkte
beider  Armeen  gelegentlich  ineinandergegriffen  hatten,  den  ssterrelchischen
Waffen  eine  pharterkämpfte  Reihe  glänzender  Siege  erzwungen.

Aber  zur  selben  Zeit  hatte  sich  gegen  den  Verteidigungsflügel  der  Österreicher
  das  Verderben  herangewälzt.

Auch  die  Armee  Brudermann,  die  östlich  von  Lemberg  des  russischen  Angriffe
  harrte,  hatte  schließlich  noch  den  Befehl  bekommen,  dem  sich  ankündlgenden
Vormarsch  der  Russen  aus  der  Gegend  zolschen  Tarnopol  und  Brody  angriffeweise
  entgegenzutreten.  Sle  rückte  Infolgedessen  dle  auf  eine  Linle  vorwärte
Przemypslany  vor.  Hier  wurde  sie  alebald  von  zwel  russischen  Armeen  angegriffen:
  die  J.  russilsche  Armee  (Rußky)  war  von  Norden  und  Nordosten  her,
dle  8.  (Jwanow)  vom  Osten  her  im  Anmarsch.  Am  26.  August  begann  die
erste  Schlacht  bel  Lemberg.

Schon  bei  Beginn  der  Schlacht  machte  es  sich  bemerkbar,  daß  die  Russen,
welche  die  J.  Armee  in  weitem  Bogen  von  Norden  und  Osten  her  umstellt  hatten,
stark  genug  sein  würden,  auherdem  auch  noch  einen  Flankenstoß  auf  die  von
der  Heeresgruppe  Köveß  nur  schwach  verteidigte  rechte  Flanke  vom  Tale  des
Onjestr  her  zu  übernehmen.  Die  Lage  der  Armee  Brudermann  erschien  also
schon  in  den  ersten  Augenblicken  des  Kampfes  so  gut  wie  hoffnungelos.  Aber
die  ssterrelchisch-ungarlschen  Truppen  wehrten  sich  mit  der  Kraft  der  Verzwelflung
  und  traten  erst  am  28.  August  nach  furchtbarem  Kampfe  den  Rückzug  an.
Sie  hatten  die  ungeheure  Ubermacht  der  Russen  so  übel  zugerlchtet,  daß  diese
nicht  ohne  weiteres  zu  folgen  vermochte.  Das  gab  der  Armee  Brudermann
die  Muße,  sich  am  28.  Jugust  auf  einer  weiter  rückwärts  gelegenen  Linie  zur
Verteidlgung  einzurichten.  Diese  umzog  Leinberg  wlederum  im  Norden  und
Osten,  nun  allerdings  in  einem  viel  engeren  Viertelkreis.

Eine  Erlelchterung  der  Lage  der  3.  Armee  trat  inzwischen  insofern  ein,
als  Telle  der  2.  Armee  von  Serbien  her  In  der  Reichweilte  dee  Schlachtfelde
eingetroffen  waren.  Zwei  lhrer  Korpe  hatten  schon  an  der  ersten  Schlacht
teilnehmen  können.  Jetzt  setzte  General  von  Boehm-Ermolll  noch  fünf  weltere
Dlolsionen  auf  dem  rechten  Flügel  der  neuen  Stellung  der  3.  Armee  ein.

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