Full text : Medizinal-Statistische Mittheilungen aus dem Kaiserlichen Gesundheitsamte. Erster Band. (1)

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theilung  darauf  zurückzuführen,  daß  in  der  Münchener  Anstalt  jede  Temperaturerhöhung
einer  Wöchnerin  auf  38,2°  C  und  darüber  die  Diagnose  des  Kindbettfiebers  begründete.
Trotzdem  ist  in  den  öffentlichen  Entbindungsanstalten  des  ganzen  Reiches  das  Kindbettfieber
  viel  seltener  geworden,  und  namentlich  die  Sterblich  keit  an  Kindbettfieber
  beträchtlich  gesunken.

Anhkhang.
Häufigkeit  der  Todesfälle  im  Wochenbett  und  an  Kindbettfieber.

Die  deutlich  nachweisbare  Abnahme  des  Kindbettfiebers  in  den  öffentlichen  Entbindungsanstalten
  des  Deutschen  Reiches  regte  eine  Untersuchung  darüber  an,  was
anderweitige  statistische  Erhebungen  in  dieser  Hinsicht  ergeben.  Für  die  größeren
Städte  des  Reiches  —  Orte  mit  15  000  und  mehr  Einwohnern  —  gehen  dem  Kaiserlichen
  Gesundheitsamte  monatliche  Ausweise  über  die  Todesfälle  an  Kindbettfieber,
sowie  über  die  Zahl  der  Lebend=  und  Todtgeborenen  zu,  welche  eine  verhältnißmäßig
zuverlässige  Uebersicht  über  die  Häufigkeit  der  Todesfälle  an  Kindbettfieber  in  diesen
Orten  geben  (vergl.  unten  A.);  für  die  kleineren  Städte  und  das  platte  Land,  bezw.
für  die  Gesammtbevölkerung,  werden  in  Bayern,  Baden,  Hessen  und  Elsaß-Lothringen
die  jährlich  gemeldeten  Todesfälle  an  Kindbettfieber  nachgewiesen,  im  Königreich
Preußen  fehlt  es  zwar  an  solchen  Nachweisungen,  doch  geben  die  standesamtlichen  Angaben
  über  die  Zahl  der  im  Kindbette  gestorbenen  Personen  einen  brauchbaren  Anhalt
  zur  Entscheidung  der  Frage,  ob  das  Kindbettfieber  zu=  oder  abgenommen  hat.  Die
Erfahrung  in  anderen  Staaten  des  Deutschen  Reiches  lehrt  nämlich,  daß  man  annähernd
  die  Hälfte  der  im  Kindbett  erfolgenden  Todesfälle  dem  Kindbettfieber  zur  Last
legen  darf.  Es  starben  z.  B.  (vergl.  die  unten  folgenden  tabellarischen  Zusammenstellungen)
  im  Großherzogthum  Baden  während  des  zehnjährigen  Zeitraumes  von
1881  —1890  in  den  ersten  3  Wochen  des  Kindbetts  3952  Personen,  davon  2065,  d.  h.
52),25  %  derselben,  an  Kindbettfieber;  im  Königreich  Bayern  starben  von  1879—1889
in  Folge  von  Schwangerschaft  und  Kindbett:  13  361  Personen,  darunter  an  Kindbettfieber:
  5845,  d.  h.  43,7  %.  (Die  letztere  Prozentziffer  ist  deshalb  kleiner  als  die  erstere,
weil  in  der  Hauptsumme  aus  Bayern  auch  1.  die  in  Folge  von  Schwangerschaftsleiden
und  2.  die  nach  den  ersten  3  Wochen  im  Kindbett  gestorbenen  Personen  enthalten
  sind.)  Im  Königreich  Sachsen  werden  die  an  „Kindbettkrankheiten“  gestorbenen
Wöchnerinnen  in  den  Jahresberichten  des  Medizinalkollegiums  nachgewiesen,  auch  wird
mitgetheilt,  wie  viele  derselben  an  „in  fektiösen  Kindbettkrankheiten  gestorben  sind
(s.  unter  D.),  im  Staate  Hamburg  wird  die  Zahl  der  „im  Wochenbett“  gestorbenen
Frauen  in  den  Jahresberichten  des  Medizinal-Inspektorats  angegeben  (s.  unter  F.),  auch
ist  hier  ein  Vergleich  dieser  Zahl  mit  der  jährlichen  Summe  aller  Wöchnerinnen  ermöglicht,
  während  aus  den  übrigen  genannten  Staaten  nur  die  Zahl  der  geborenen
Kinder,  nicht  aber  die  Zahl  der  entbundenen  Wöchnerinnen  veröffentlicht  wird.

A.  Größere  Städte  des  Deutschen  Reiches.

Für  die  Gesammtbevölkerung  aller  derjenigen  Orte  des  Deutschen  Reiches  (mit
15.000  und  mehr  Einwohnern),  welche  dem  Kaiserlichen  Gesundheitsamte  regelmäßige  Ausweise
  über  die  Zahl  der  Geborenen  und  der  Todesfälle  an  Kindbettfieber  einsenden,