Uebersicht der Ereignisse des Lahres 1862. 393
verständnisses sämmtlicher Vereinsregierungen und Oesterreichs bedürfen. ee’
Eine solche Verabredung, ich spreche es offen aus, würden wir nicht eingehen
können, auch wenn Verhandlungen zwischen uns und Frankreich
niemals stattgefunden hätten, denn über die mit dem 31. Dec. 1865 ablaufende
Vereinsperiode hinaus würden wir uns an den bestehenden Zollvereinstarif
in keinem Falle binden wollen.“
Lehnte auch Preußen ab, so fand dagegen Oesterreich Vundesgenossen -
unter den übrigen Zollvereinsstaaten. Der tiefe Gegensatz, der zwischen
Preußen einerseits und Oesterreich mit dem größern Theile der Mittelstgaten
anderseits über die Frage der Bundesreform eingetreten war, trug sich
alsbald auch auf Fas volkswirthschaftliche Gebiet und die Frage des
Handelsvertrags mit Frankreich über. Der unverkennbare Zusammenhang,
der zwischen dem Handelsvertrag, so weit er das Verhältniß zu Oesterreich
betraf, und den bundesstaatlichen Plänen Preußens waltete, trieb
die Mittelstaaten dazu, auch in dieser Frage mit Oesterreich zu gehen.
Das Princip, das sie verfolgten, war in der That dasselbe auf dem einen
wie auf dem andern Gebiet. Wie dort so wollten sie auch hier nichts
von einer Aussonderung Oesterreichs wissen, und wie sie dort an der
Gleichheit der Rechte festhielten und eine bevorzugte Stellung Preußens.
sofort als eine „Unterwerfung“ unter dasselbe perhorrescirten, so wollten
sie auch bezüglich des Handelsvertrags Preußen ihre vollkommen gleichberechtigte
Stellung fühlen lassen, zumal bereits vielfach die Idee eines
Zollparlamentes aufgetaucht war, die genau wie auf dem politischen Gebiet
gegen eben diese Gleichberechtigung gerichtet zu sein schien. Seit der
Mitte des Jahres gingen daher die Bestrebungen Oesterreichs und der
Mittelstaaten bezüglich beider Fragen Hand in Hand.
Preußen schien ziemlich isolirt. Zwar genehmigten beide Häuser
seines Landtags fast einstimmig den Handelsvertrag mit Frankreich und
ermunterten die Regierung, mit der sie wenigstens darin vollkommen einig
gingen, zu einem energischen Vorgehen gegenüber den widerwilligen Regierungen
der übrigen Zollvereinsstaaten. Allein von diesen trat außer Coburg-Gotha
und Oldenburg nur Sachsen in der Handelsfrage entschieden auf seine
Seite und Vaden, dessen Regierung den Vertrag zwar seinem Landtage zur.
Zustimmung vorlegte, diesen dann aber selbst wieder reranlaßte, von einem.
Beschluß vorerst noch Umgang zu nehmen. Die übrigen Regierungen der
Mittelstaaten zögerten erst, um sich schließlich gegen den Handelsvertrag
und für die Prüfung der österreichischen Vorschläge zu erklären. Im Juni