tiert“ war. Schon vor dem Abgange Delcassés hatte er dem
Fürsten Radolin erklärt, daß er dem Gedanken einer Konferenz
widerstrebe und ein französisch-deutsches Sonderabkommen vorziehe.
Gleich in der ersten Unterredung mit Radolin nach Übernahme
der answärtigen Geschäfte wiederholte er, daß, wenn man
schon auf die Konferenz gehen wolle, doch eine vorherige sachliche
Einigung zwischen Deutschland und Frankreich erforderlich, und
daß hinwiederum, wenn ein Sonderabkommen getroffen würde, die
Konferenz eigentlich überflüssig wäre. Erst nachdem Fürst Bülow
in einer Unterredung mit dem französischen Botschafter Bihourd
davor gewarnt hatte, noch länger auf einem Wege zu verharren,
der an Abgründen und Schlünden hinführe, gab Rouvier nach und
nahm die Konferenz an. In dem Protokoll vom 8. Juli 1905
wurde neben der Unabhängigkeit des Sultans, der Unverletzlichkeit
seines Reichs, der wirtschaftlichen Freiheit und der Nützlichkeit von
Reformen auch das besondere Interesse anerkannt, das Frankreich
infolge seiner ausgedehnten Grenznachbarschaft an der Ordnung
im scherifischen Reich habe. Damit hatte Rouvier bereits ein wertvolles
Zugeständnis in der Tasche. Eine gemeinsame Erklärung
setzte dann noch fest, daß nach dem Zusammentritt der Konferenz
die Gesandtschaften aus Fez nach Tanger zurückberufen und daß
inzwischen dem Sultan gemeinschaftliche Ratschläge für Feststellung
des Konferenzprogramms erteilt werden sollten.
Bald jedoch stellte sich eine neue Schwierigkeit ein. Dem
Geist der übereinkunft entsprach es, daß bis auf weiteres der Wettbewerb
um marokkanische Konzessionen unterblieb. Inzwischen
war aber unter dem Beistande des Grafen Tattenbach in Fes eine
deutsche Konzession für den Molenbau in Tanger erlangt und eine
deutsche Zehnmillionenanleihe abgeschlossen worden. Hierüber sowie
über die Hauptgegenstände der Konferenzberatungen (Einrichtung
der Polizei, Unterdrückung des Waffenschmuggels, Gründung
einer Staatsbank) wurde im Juli und August eine Reihe von
Noten gewechselt, ohne daß eine Einigung zustande kam. Erst
nachdem der Kanzler den nach seiner Rückkehr von der abbessinischen
Handelsexpedition zum Gesandten in Tanger ernannten
Dr. Rosen zu mündlichen Verhandlungen nach Paris geschickt
hatte, wurde Anfang Oktober zwischen ihm und dem französischen
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