Full text : Spittler’s sämmtliche Werke. Zwölfter Band. (12)

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Der  neue  Anfang  kam  denn  doch  endlich,  recht  wie  das
gute  Gluͤck  kommt,  gerade  im  unerwartetsten  Zeitpunkte,  gerade
  noch  in  der  Periode  des  getheilten  Landes,  ohne  eigene
Betriebsamkeit  der  Kammerunterthanen,  bloß  durch  den  freiesten
  Entschluß  der  regierenden  Herren  und  das  tiesgefühlteste
Interesse  der  nicht  regierenden  Grafen.  Recht  wie  das  gute
Glück  kommt,  noch  in  der  Periode  des  getheilten  Landes  vereinigten
  sich  die  Kammerunterthanen  beider  Theile  des  Landes
zu  einem  festest  verbundenen  großen  Korps;  der  Geisi  des
Korps  kam  zum  Leben,  er  verbreitete  sich  erst  vur  so  sanft
und  milde  wie  Lebenswärme,  und  ehe  die  regiereuden  Herren
nur  argwohnten,  was  stark  und  lebendigst  gewordener  Geist
des  neuentstandenen  Korps  vermöge,  so  war  die  volle  Kraft
desselben  so  herrlich  entwickelt,  so  mächtig  emporstrebend,  daß
lein  weiterer  Widerstand  half  —  das  Selbsttarationsrecht  ward
schriftlich  firirt,  die  Frciheit  von  neuen  höheren  Taren  ward
zum  Grundgesetz  des  Staats,  die  wichtigsten  neuen  Privilegien
zum  unbesirittenen  Vertrage.  Und  dieser  wichtigsten  Revolution,
  die  Wirtemberg  von  1475  bis  1544  lin,  dieser  wichtigsten
  Revolution  unerwarteister  Anfang  und  rascheste  Vollendung
  war  diese.

Der  in  Stuttgart  regierende  Graf,  Graf  Ulrich,  ein  lieber
  alter  Mann,  der  viel  Unglück  erfahren,  viel  Hauskreuz
erlitten,  mit  Kummer  grau  geworden  war,  hatte  zwei  Söhne,
Eberhard  und  Heinrich;  zwei  junge  Grafen,  für  die  kein
Grasengut  groß  genug  war,  für  die  kein  Fürstenthum  groß
genug  gewesen  wäre,  wenn  jeder  auch  sein  eigenes  Fürstentbum
  zu  verzehren  gehabt  hätte.  Wie  Vaͤter  ihre  Söbne  bestimmen,
  so  ward  der  zweite  Sohn  Heinrich  zum  geistlichen
Stande  bestimmt.  Man  war  schon  weit  mit  ihm,  der  sechzehnjäbrige
  Jüngling  war  schon  Domprobst  in  Eichstädt  und
Coadjutor  in  Mainz,  er  wäre  der  Erste  wirtembergischen