Olmütz 141
abgewonnen hat, die ich seinem Bestreben jederzeit versagen
mußte, seine vermeintlichen oder wahren Rechte gegen den Landesherrn
mit revolutionärer Waffengewalt durchzufühten
„Die Hauptfrage, die Krieg und Frieden birgt, die Gestaltung
Deutschlands, die Regelung der Verhältnisse zwischen
Preußen und ÖOsterreich und der Verhältnisse von Preußen
und Osterreich zu den kleineren Staaten, soll in wenigen
Tagen der Gegenstand der freien Konferenzen — zu Dresden
— werden, kann also jetzt nicht Gegenstand eines Krieges
sein. Wer den Krieg durchaus will, den vertröste ich darauf,
daß er in den freien Konferenzen jederzeit zu finden ist: in
vier oder sechs Wochen, wenn man ihn haben will. Ich bin
weit davon entfernt, in einem so wichtigen Augenblicke, wie
dieser ist, die Handlungsweise der Regierung durch Ratgeben
hemmen zu wollen.
„Wenn ich dem Ministerium gegenüber einen Wunsch aussprechen
wollte, so wäre es der, daß wir nicht eher entwaffnen,
als bis die freien Konferenzen ein positives Resultat gegeben
haben; dann bleibt es noch immer Zeit, einen Krieg zu führen,
wenn wir ihn wirklich mit Ehren nicht vermeiden können oder
nicht vermeiden wollen.“
So schob Bismarck mit großer Klugheit die ganzen Schwierigkeiten
auf das Gebiet der Verhandlungen, nicht ohne anzudeuten,
wie Preußen die Zukunft meistern könne. Mannhaft wußte er
als königstreuer Diener seines Herrn die schmerzlichen Empfindungen
über die politischen Niederlagen zu unterdrücken oder mit
großer Zartheit zu berühren. Wie ein General handelte er, der
den Rückzug so ehrenvoll deckt, daß man die Schlappe darüber zu
vergessen versucht ist. Aber nicht nur mannhaft, auch meisterhaft
war dieses Auftreten des Parlamentariers, der in seiner Rede
den großen Staatsmann zeigte, der bald zu Größerem berufen
werden sollte, als in der Kammer zu sitzen, wo „erwachsene
Menschen sich über Lappalien stritten“, unter „den wäsfrigen
Konstitutionellen“, vor „einem kalt servierten Salat von Opposition
aus dem Vereinigten Landtage und Frankfurter Rechten
mit einer Sauce von sentimentalen Phrasen“. — So viel