Full text : Bismarck. Sein Leben und sein Werk.

Preußen  macht  mobil  263

auch  in  Preußen  angesessen  war,  gemacht.  Graf  Mensdorff
hatte  ihn  wohlwollend  empfangen,  und  Preußens  Botschafter,
Herr  von  Werther,  gab  ihm  ein  Einführungsschreiben  für
Bismarck  mit.  Anch  dieser  nahm  den  Unterhändler  freundlich
auf,  offenbar  um  gegen  Napoleons  Intrigen  einen  Gegenschlag
führen  zu  können.

Die  anderen  Punkte  betrafen  ein  Telegramm  aus  Florenz,
wonach  Viktor  Emannel  darauf  rechnete,  daß  Preußen  mit
Italien  gleichzeitig  losschlagen  werde,  eine  Depesche  des  Grafen
Goltz,  nach  welcher  der  Kaiser  Napoleon  den  Zeitpunkt  einer
Verständigung  mit  Preußen  für  gekommen  halte,  im  Falle  des
Mißlingens  aber  sich  den  von  Osterreich  gemachten  Anerbietungen
nicht  glaube  verschließen  zu  können.  Was  Napoleon  mit  Österreich
  meine,  sagt  die  Denkschrift,  sei  nicht  ersichtlich;  in  bezug
auf  Preußen  beschränke  sich  der  Kaiser  auf  die  Andeutung,  daß
die  Augen  Frankreichs  nach  dem  Rhein  gerichtet  seien.  Weiter
habe  der  französische  Botschafter  tags  zuvor  angefragt,  wie
Preußen  über  einen  Kongreß  denke.  Einen  Hauptpunkt  aber
bildeten  die  Berichte  von  der  ununterbrochen  wachsenden  Menge
kriegsbereiter  österreichischer  Truppen  unmittelbar  an  der  preu-Hischen
  Grenze  und  die  Befürchtung  ihres  sofortigen  Einmarsches
in  Preußen.  „Unter  diesen  Umständen“,  so  schließt  Bismarck,
„dürfte  es  zunächst  unerläßlich  sein  gegen  die  augenblickliche
Gefahr  sofort  die  kräftigsten  militärischen  Vorkehrungen  zu
treffen.  Diese  Maßregel  dürfte  ganz  unabhängig  von  den
diplomatischen  Verhandlungen,  zu  welchen  die  übrigen  Puncte
Anlaß  geben  ins  Werk  zu  setzen  sein.  Sie  präjudicirt  keiner
unsrer  politischen  Entschließungen,  giebt  vielmehr  derselben  erst
die  unentbehrliche  Grundlage  der  momentanen  Sicherheit  im
eignen  Hause."“

Der  Befehl,  fünf  Armeekorps  mobil  zu  machen,  erging  nun
sofort;  bis  zum  12.  Mai  wurde  in  rascher  Folge  die  ganze
Armee  in  Kriegsbereitschaft  gesetzt.  Die  Anerbietungen  des
Freiherrn  von  Gablenz  zerschlugen  sich  trotz  Bismarcks  Entgegenkommen
  am  25.  Mai.  Denn  Kaiser  Franz  Josef  erteilte
an  diesem  Tage  in  einer  Audienz  den  Bescheid,  es  sei  zu  be-