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und die Polen, nach Morgen hin die Ostpommern
mit ihrem dem Herrscherhause verwandten Fürsten.
So blieb ihm nur noch die Flucht auf die See und
zu den Rügianern. Dort mußten weitere Plane
geschmiedet werden.
Also zunachst zur Burg zurück und dann mit
seinem Sohne und den beiden Fischern zum Strande
hinab! Schnell war der Plan gefaßt und weiler
ging es in rasender Eile, daß der Staub des Weges
Rosse und Reiter in eine undurchsichtige Wolke
hallte. So dauerte der wilde Ritt wohl eine Stunde,
bis der Fluchtling einsah, daß man die Gäule
schoner müsse, wenn sie nicht vor der Zeit zusammenorechen
sollten. Zudem war man soeben auf
einem Hagel angelangt, der einen meilemweiten
Fernblick gewährle. Da hielt Herr Sambor und
blickte ruckwärts ins Gelände. Noch war kein Verfolger
zu erblicken. Darum ging es jetzt in langsamerer
Gangart vorwärts, um die Krafte der Rosse
jur den Notfall aufzusparen. Wieder mochte so eine
halbe Stunde vergangen sein, da kam man an das
große Moor, über das von Ortschaft zu Ortlschaft
schmale Knutteldämme fahrten. Nun verlangsamte
Herr Sambor wiederum den Gang seines Nosses,
denn auf diesen Wegen vermochte sich ein größerer
Trupp, wie der gegen ihn ziehende war, nur langsam
fortzubewegen. —
In einer Stunde war das Moor überschritten,
denn Herr Sambor hatte den kürzesten Weg gewählt
und zu diesem Zweck lieber vorher einen
tleinen Uchweg gemacht. Von den jenseitigen Höhen
aus war wiederum kein Heerestrupp zu erblicken,
und nun berechnete der Burgherr, daß der
Feind, selbst wenn er die halbe Schnelligkeit anwandte,
mit der er selber anfänglich den Rückweg
gemacht hatte, erst nach etwa zwei Stunden sein
Ziel erreichen würde. Er selber aber vermochte es
jetzt in wenig mehr als einer halben Stumde zu
gewinnen, denn soeben überschritten sie die letzte
Anhöhe und sahen See und Dorf vor sich liegen.
Während Herr Sambor gerade das Moor durchquerte,
begab sich Kanja, der Oberpriester, zu dem
Altar des Sommergottes hinauf. Dieser lag unfern
des Dorfes auf einem Anger, der sich allmählich
zum See hinabsenkte, während die andere Seite
von dem Fahrchege begrenzt wurde, der über den
Verg zum Moore führte. Sechs Tage währte es
noch bis zum großen Feste der Sommersonnenwende,
und heute begannen nach altem Brauch die
Vorfeiern. Kanja trug einen langen, weißen Mantel,
der am unteren Rande, am Kragen und Zusammenschlag
mit rotem Aufstick verziert war. Seine
Stirn umschloß eine mit Goldfäden dicht durchwirkte
Binde, die von fern den Goldreifen glich,
wie sie die Oberpriester großer Stadtgemeinden zu
tragen pflegten. Sein breiter, gelbbrauner Bart erglänzte
vom Salböl im Sonnenlichte. In der Rechten
trug Kamia einen langen und starken, süberknaufigen
Stock, der über und über mit einge-Unser
Hommerland
schnitzten Geheimzeichen bedect war. Von den
Dorfaltesten geleitet schritt der Priester würdevollen
Ganges und ernstgestellter Miene dahin.
Ihm voran wurde eine ehemals wohl dunkelgrüne,
jetzt verblichene Fahne getragen, auf der
man eine gelbe Sonnenscheibe erblickte, aus der
gleichfarbige Strahlen hervorschossen, wahrend ein
Aehren= und Laubkranz das Bild umschloß. Es
war das Banner des Sommergottes. Viel Volks
in grellbunten Festgewändern, zumeist Weiber und
Kinder, beschloß den Zug. Als dieser auf dem
Anger anlangte, trat Kanja vor den Altar, den
ein Kranz blumengeschmuckter junger Madchen umgab.
Der Priester wendete sein Antlitz der Sonne
zu, zwinkte mit seinen fettschweren, wulstigen
Augenlidern einigen der Dorfschönen schalkthaft zu
und wollte gerade seine Stimme erheben, als plotzlich
ein scharfer, singender Ton die stille Luft
durchzitterte. Kanja griff mit der Hand nach dem
Herzen und sank dann, wie vom Blitz getroffen,
rücklings zu Boden.
Im gleichen Augenblick vernahm man die Worte:
„Dies, heimtückischer Mörder, der Lohn für
Dein verbrecherisches Tun. Doch wisse, Du stirbst
und der Ritter lebt!“
„Die Herrin!“ murmelte Kanja fäusteballend mit
ersterbender Stimme, dann vöchelte er noch einmal
tief auf, rollte wild die Augen und verschied.
Unter gellendem Aufschrei der Weiber war das
Volk auseinandergestoben, als es den Priester mit
der Todeswunde in der Brust fallen sah. Nun
blickte es in starrem Entsetzen zu der Rächerin hinauf,
die hoch zu Roß, den Bogen noch in der
Hand haltend, lodernden Auges vor einem dichten
Erlengebüsch hielt, aus dem sie kurz vor der Tat
hervorgekommen war. Nun aber warf sie den Bogen
über die Schulter, lenkte ihr Roß seitwärts und
ritt in ruhigem Trabe davon. Erst, nachdem sie
hinter einer Bodenwelle den Augen der Menge entschwunden
war, trieb sie ihr Pferd zu schnellerer
Gangart an. Niemand wagte, ihr zu folgen, war
doch nicht einmal ein Wort der Mitbilligung oder
des Zornes laut geworden, als sie ihre Tat frei
bekannte.
Man hatte ein paar Männer ins Dorf hinabgeschickt,
eine Tragbahre herbeizuholen. Unterdessen
umstanden die Dörfler dichtgedrängt den Leichnam
und ergingen sich in allerlei halblaut und in scheuer
Zurückhaltung geäußerten Vermutungen über die
Ursache des schrecklichen Strafgerichts. Niemand
wuzte etwas Sicheres, aber aus den Worten der
Herrin schloß man, daß der Getötete einen Anschlag
gegen den deutschen Ritter verübt habe. Und
nun brachte man hiermit den plötzlichen Tod des
Tempeldieners und Fischers sowie das unheimliche
Verschwinden zweier Burgknechte in Verbindung
und spann seine Vermutungen weiter.
Da kam in scharfem Trabe mit seinen Krnechten
Burgherr geritten, warf einen, Blick auf die
und wollte vorüberreiten, als einer der
der
Menge