146
eine Art eigennütziger Gefälligkeit, womit man oft auch in
entfernten Provinzen die Schreiben des rdmischen Bischofs
annahm. Man darf es sich deswegen nicht befremden lassen,
wenn z. B. auf der Synode zu Braga im Jahr 565, da
wegen des endlich überwältigten Arianismus eine Art allgemeiner
Kirchen-Reformation vorgenommen werden sollte, mit
den Kanonen der allgemeinen und Provincialconcilien auch
Decretalen rmischer Bischdse verlesen wurden *). Es waren
ein paar, gerade an die Gallicische und besonders an die
Bragische Kirchen gerichtete Schreiben, und weil man in
solchen Fällen, besonders wo es, wie hier, zugleich auf Festsetzung
der Orthodoric ankam, Alles aus den Kirchen. Archiven
hervorsuchte, so wurden auch ein paar Schreiben, eines von
Leo und das andere von Vigilius, als Richtschnur der nun
zu unternehmenden Kirchenreinigung öffentlich verlesen. Cirrulirten
nun die Schreiben der rômischen Bischdfe schon noch
als vereinzelt, wie viel leichter war ihre Ausbreitung in
Sammlungen, und wie sehr mußte eben diese Ausbreitung
dadurch beschleunigt werden, wenn die gemachte Sammlung
die nöthigen Vortheile der Deutlichkeit, Ordnung und Vollständigkeir
hatte. Das war gerade der Fall mit Dionysens
Sammlung. Er war zwar wahrscheinlich nicht der erste,
welcher Dekretalen rdmischer Bischdfe sammelte: aber er war
doch unter allen bisherigen Sammlern derjenige, welcher sie
mit dem vollsiändigsten, geordnetsien und deutlichsien codice
canonum verhand, bei seiner Sammlung recht eigentlich
vorzüglich auf Kirchendisciplin seine Rücksicht zu nehmen
schien, und den Gehrauch derselben durch genaue chronologische
Ordnung, brauchbarc tabulae titulorum und gute
*) Was man von dieser Synode hat, findet sich in Mansi Cono
Tom. IX. col. 773 — 16b0.