Erstes Buch.
Prinz Wilhelm.
—.
Kaiser Wilhelm.
Erstes Kapitel.
Kronprinz Friedrich Wilhelm und Kronprinzeß Luise.
Dort, wo im Park von Sanssouci der dichtere Schatten hochstämmigen
Baumwuchkhses in der Nähe des Japanischen Zäuschens zum
Rasten einladet, sitzen zwei Männer, beide in Uniform, in ernstem Gespräch.
Es ist im Hochsommer 1786. Der eine — wer sollte ihn nicht
erkennend eine schmächtige Gestalt, in einen etwas abgetragenen Rock
und hohe, aber stark suchsig schimmernde Stiefeln gekleidet, das faltenreiche,
gebräunte Antlitz durch das hellblaue, leuchtende Auge belebt,
stützt die Hände bequem auf den Krückstock. Das ist Dreußens herrlicher
König, der große Friedrich.
Auch des Königs Begleiter trägt den Stern des Schwarzen Abdlerordens
auf der Brust, wie ihn die preußischen Hrinzen von ihrem zehnten
Lebensjahre an tragen. Es ist Orinz Friedrich Wilhelm, des Kronprinzen
ältester Sohn, den Friedrich der Große selbst vor 16 Jahren aus der
Taufe gehoben. Der jugendliche Hrinz, in der Uniform des Bataillons
Garde, das in dem nahen Hotsdam seine Garnison hat, ist mit größter
Sorgfalt gekleidet; straff legen sich die gegipsten Locken gerade über die
Ohren weg, genau nach orschrift ist der Sopf fest mit schwarzem Band
durchflochten. Das gepuderte Haar, mehr noch ein ernster Sug in dem
jugendfrischen Gesichte lassen den jungen Hrinzen älter erscheinen, als er
ist. Um mehr als KRaupteslänge überragt seine schlanke Gestalt den
königlichen Großoheim; aber ein Ausdruck warmer Ringebung, der in
den offenen Sügen des Drinzen liegt, mildert selbst für das Auge den
Unterschied.
Der König zieht ein Zuch aus der Tasche — Lafontaines Fabeln —
und läßt den jungen Hrinzen aufs Geratewohl eine daraus übersetzen.
Mit großer Fertigkeit erledigt der Drinz die Aufgabe; aber das Lob, das
der König ihm spendet, lehnt er mit Bescheidenheit ab: es sei eine Fabel
gewesen, die er erst jüngst bei Berrn Benisch, seinem Informator, eingeübt,
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