877 Strieme — Stroh.
— mit Worten durchhecheln: jemanden striegeln
Adelung.
Strieme, m (., Striemen, m. Streifen; ahd. in abweichender
Form strimo und strimo, mhd. strimc, strim
und streim, auch als Fem. strime (an der obersten
strime Servat. 536), mud. strime, wovon uhd. noch
mehreres übrig ist: striga strime, strymme Dief.;
der strimen, /kem Maaler; wusch jnen die strimen
abe Ap. Gesch. 16, 33; bairisch landschaftlich der straim,
straimen Schmeller; erst mhd. kommt die heute herrschende
Form strieme empor, über deren Berechtigung
und Verhältnis zu strime nichts sest steht, da die Herkunst
der Wortfamilie dunkel ist. 24•9/#8#striem, striemel
Dief.; der striem Schottel, die strieme Steinbach;
— Streifen schlechthin: marmor, welchen Strabo
und Plinius wegen seiner flecken und striemen sehr
loben Opitz 1, 278; als ich jungst den platz mit
rohtem sand und bunten striemechen zieren lassen
Brockes 5, 76; Streiken des Sonnenlichtes: leucht
(Sonne) ber mit striem und strahlen, leucht her zum
bolen grab Spee Trutznacht. 10, 37; im nicht ausgebackenen
Brote striemen. wasserstriemen Adelung:;
besonders Streifen als hinterlassene Spur von Schlägen:
die geissel macht striemen Sir. 28, 21; wie ein knecht.
der oft gesteupt wird, nicht on striemen ist 23, 10;
sach auf seim rueck die rotten strimen HSachs
Fab. 1, 246; er hieb ihr die samtene lilienhaut voll
schwellender bluliger striemen Bürger Pfarr. Tochter
v. Taubenh.; im Bilde: wie sie (die Erde) sich quölen
liszt! . . furchen und striemen zichn ihr auf dem
rücken hin knechte Goethe Pandora 1. — striemen,
mit Striemen, Streifen versehen; besonders im Part.
der Vergangenheit:die roth gestriemten nelken Albinus
jüngst. Gericht U#; (wie) dort, mit farbigem korn gestricmet,
weit das vallende feld sich streckt! Voß
5, 245. — striemig, älter striemicht (Steinbach), mit
Striemen, Streisen versehen: ein stricmiger rucken.
Striezel, m. f. wulstartiger Körper, besonders Gebäck
oder Speise von solcher Form; entstanden aus strutzel
(bair. das strulzel neben der strutzen Schmeller), mhd.
struützel, strützel, dunkler Herkunst.
Strippe, k. Schlinge zum Aufhängen oder Ziehen;
niederd. Form zu mhd. strupfe, strupfe, Strick, Schlinge,
oberd. die struplen, Riemen= oder Bandschleife, die zum
Anziehen, Anspannen dient Schmeller; bei Frisch
striche als niedersächsisch, neben struppe als Jägerwort;
bei Adelung slrippen an den Stiefeln, um sie
anzuziehen, an der Leinwand, sie auf der Bleiche daran
mit Pflöcken zu befestigen; jetzt besonders im Norden
rockstrippe, zum Auihängen desselben, stielclstrippen.
Stritt, m. Zwietracht, Hader; Nebenform zu sireit
(I. d.), gebildet als Verbalsubsl. zu streiten, aber erst
fpät bezengt: warät aller stritt letslich .. geschlossen
Zimm. Chron. 1, 123; nachdem ein stritt . 2wischen
uns eingefallen Frölich Stob. 563; wegen inheimischer
strit und misztrawens in der eidgnoszschaft Zinlgref
1, 331; später untergegangen, aber die Grundlage des
noch lebenden striltig, Streit suchend, in Streit befangen,
neben streitig (s. d.); von Personen: der strittig.
bochmnelig psat Zimm. Chron. 2, 597; von Dingen:
das etritig silbergeschirr 273; die jurisdiction . war
slrittig Kotzebue Kleinstädt. 1, ; der schöne einzig
schickliche raum (war) strittig zwischen verschicdenen
Ferichtsbarkeiten Goethe Tagh. 1802.
Stroh, u. Gesamtbeit ausgedroschener Getreidehalme:
gemeingerm., zu streuen gehöriges Wort, im Gothischen
Strohband — Strohgeslecht. 878
Plurals. stramen stroc, strowc. stronw, straw Dief.;
ein bund, eine schutte stroh; unterschieden in weizen-,
roggen., gersten-, hafer- (getreide-) stroh, auch erbsen--,
bohnen-. wickenstroh; langstroh, wirrstroh; Ergebnis
des Dreschens, daher von Körnern ler (f. d.); bildlich
stroh dreschen, nutzlose Arbeit thun: was willst du
dieh das stroh zu dreschen plagen? Goethe Faust 1,
deutlicher leeres stroh dreschen: das er leer stro zu
dresschen findet Luther 5, 614; dasz ich kcine freude
habe, leeres strob dreschen zu helfen Keller Nachl.
289; felten korn im stroh, Bild für Gehaltvolles: frau
Schnipsen hatte korn im stroh (war nicht arm) Bürger
Frau Schnips; gebraucht für das Hausdach: ein baus
mit stroh deeken; eine hutte so mit stroh gedeekt
Cc##sd stramine tecla Steinbach; für die Stren des
Viehs: wo man kein stroh hat, soll man lanb unter
streuen ebd.; für Haus= und Wirtschaftszwecke: stroh
mit lehm mischen, zum Bau; stro in leimen treten
Garg. 100; gehacktes stroh, hackstroh, vgl. hückerling
und hücksc!; im Handwerk stroh flechten, zu
Decken, Hüten; zum Lager: hier auf dem strohe liegt
die erst entbundene frau des reichen besitzers Goethe
Herm. u. Dor. 2; das stroh schuttle auf .. und die
decken druberbin Hv Kleist Käthch. v. Heilbr. 2, 5; ein
loter auf dem stroh; auch als Lager der Trunkenen:
einen ins strouwm trinken, einen trunken und voll
machen, deponeie aliquem vino Maaler; im Gegensatz
zu einem ordentlichen Bett: wir battend unser
lusiment im stronw, quies somnusque èn stramentis
erat ebd.; Zeichen einer armen Wirtschaft: (mein Mann)
geht da straeks in die welt hincin, und liszt mich
aut dem stroh allein Goethe Faust 1; trocken, leicht
brennend: wie des fewrs flamme stroh verzehret Jes.
5, 21; wic eine flamme loddert im stro Jocl 2, 5; das
stroh der republik ist in flammen Schiller Fiesko
2, 6; sprichwörtlich: stroh entbrennt beim feuer. wer
sich zwischen stroh und feuer legt, verbrennt sich
gern Simrock 540; Gegensatz nasses stroh. schwer
brennend: ihr seid ja heut wie nasses stroh Goethe
Faust !; Bild des Wertlosen: mit stroh gehet ir
schwanger Jes. 33, 11; strob im kopfe baben, nichts
gescheites denken; geld haben wie stroh, so reichlich,
daß man es nicht achtet; etwas schmeckt wie stroh,
hat keinen besondern Geschmack; — strob als Maß:
in der Landwirtschaft ein stroh garben. fünf bis sechs
Adelung; altes Maß (schon mhd. mud.) für Bücklinge
in den Seestädten, — Strohgebund, worein tausend
Stück verpackt werden: ein stro buckings Lexer:
niederd. auch = ähnlicher Strohbehälter für Wachs
Schiller-Lübben. — Zusammenfetzungen: Strohband,
u. Band aus Stroh geflochten; strahbönder, Hüte
daraus zu fertigen Freytag Handschr. 1, 32; Dim.
strohbündehben. Bezeichnung eines zarten schmalen feidenen
Bändchens zum Putz. — Strohblutuc, f. Bezeichnung
der Pflanzen . rerantlhemum und gnapbalsen
arenarium. Auch künstlicbhe, aus Stroh gefertigte
Blume. — Strahbund, n. Menge Strohes in ein Bund
vereinigt. — Strohbutter, k. Butter die im Winter gemacht
wird, wo man das Vieh mit Stroh füttert. —
Strohdach, n. Dach aus Stroh gemacht: culmr strodach
Dief. nov. gloss.; auf ärmlichen Gebäuden: die
ruhe folget mir zum niedern strohdach hin U# 1, 100.
— Strohdecke, k. Decke aus Stroh geslochten. — Strohsarbe,
s. die hellgelbe Farbe des Strohes; dazu stroharb,
sarben, sarbig, Adj. (vgl. unter farbix). — Sttoheuer,
n. Feuer das aus Stroh empor lodert; Bild für
nicht bezeugt, altnord. strü. altengl. streäw. stred, ahd. eine schnell vergehende Begeisterung. — Strohfiedel, (.
mhd. stro. Gen. strawes. strowes, strouwes, mnd. slro: altes Musikinstrument, aus tönenden Hölzern aui gevereinzelude
Bed. des Strohhalms tritt ahd. mbd. mind.
mehrsach hervor. uhd. etwa noch in dem alten Sprichwort:
wer nbel geht, fallt uber ein stroh Simrock
541, sonst nicht mehr; der Sammolbegriff entbehrt des
bundenem Stroh bestehend: er rumpelt auf der strosideln
Nigrinus t. Cent. V 205. — Strohslechlerei, .
Anstalt für das Flechten des Strohes, namentlich zu
Hüten. — Strohgeslecht, Geflecht aus Strob. —