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Jaunar22. auf weitere Resolution wartet;! das passauer Volk ist zwar aufgebrochen,
hat aber, wie ich höre, Dero Landen nicht geringen Schaden
zugefügt und soll entschlossen sein, sich in das Stift Konstanz zu
begeben, um sich mit dem oberelsässischen und einem Teil des
mailänder Volkes,? das durch Tirol herausziehen soll, zu vereinigen.
Die Absicht ist zwar noch unbekannt; aber es ıst unschwer zu ermessen,
dass dabei nicht nur die jülichschen sondern auch andere,
vielleicht der unierten Stände Lande gemeint sind und allerlei gefäbrliche
Anschläge darunter verborgen sein mögen. Ich glaube nun
zwar nicht, dass die unierten Stände beim Kaiser in so ungleichem Konzept
sein sollten, zumal sie nie gegen den Kaiser etwas vorsätzlich gehandelt
haben; sie haben vielmehr zur Vermeidung Verdachts die innegehabten
ı Die Furcht vor dem elsässer Volk des Erzherzogs Leopold stak
allen Ständen Südwestdeutschlands in den Gliedern. Dass das mit Hilfe
nachbarlicher Anleihen bezahlte Kriegevolk (es handelte sich um die
Regimenter Reuschenberg, Salın, Lützelburg und um Kriechingens Reiter),
das sehr gegen den Willen der Nachbarn im Oberelsass einquartiert worden
war, nicht entlassen wurde, erregte namentlich im Zusammenhang mit den
Bewegungen des passauer Volkes das grösste Mistrauen, nicht nur bei Jen
Unierten, die schon im speirer Abschied vom 7. Dezember (Briefe und
Akten lll, uo. 294) Vorkehrungen gegen diese Volk trafen sondern auch bei Erzherzog
Maximilian (vgl. dessen Befehlschreiben an die vorderösterreichische
Regierung vom 19. Januar 1611; Jb., Regimentssachen von 1611, Kopialbuch,
f. 63’). Es verlautete, Erzberzog Leopold habe den Obersten Kriechingen angewiesen,
die Truppen unabgedankt zu lassen und mit dem passauer Volk zu vereinen
(Erzherzog Maximilian an Erzherzog Ferdinand am 19. Januar; Jb.,
Regimentssachen von 1611, f. 161; Kptkop). Schon machte sioh der
Herzog von Württemberg, der mit Erzherzog Maximilian in reger Korrespondenz
stand, bereit, diesem beizuspringen, die andern Unierten erwogen die
Beteiligung an diesem Unternehmen (Hinterlasseene (Grosshofmeister und
Räte der Kurpfalz an deren Administrator am 9,/19. Januar; Mb., 119/3,
f. 23; Kpt.) und der Markgraf von Baden schlug eine Zusammenkunft aller
benachbarten Unierten zur Vergleichung einer Defension vor (Mb., 119:3,
f. 42, Kpt). Diesen Gedanken griff Kurpfalz auf und schrieb auf den
27. Januar einon Kommunikationstag nach Worms aus (Administrator an
6. Februar
Württemberg am 11./21. Januar. Stg.; Unionsacta, IX., f. 4; Or.) Doch
bevor dor Tag zu stande kam, teilten sich die Wolken: schon am 20./30. Jan.
konnten die Strassburger nach Heidelberg berichten, dass der Abzug des
Volkes begonnen habe (Mb., 1193, f. 146; Or.). Trotzdem blieb es bei
dem angesetzten Tag zu Worms, der eine „Landrettung“ unter den benach-.
. . 31. Januar
barten Unierten organisierte (Abschied vom 10. Febmar unten no. 56.).
? Gemeint ist das spanische Kriegsvolk, das nach der Aussöhnung
zwischen Spanien und Savoyen (vgl. D. Carutti, Storia della diplomazia
della corte die Savoia, II. Rom 1876, 8. 101 f.) von dem neuen Gouverneur
des Herzogtums Mailand Juan Mendoza abgedankt wurde, dabei auch zwei
deutsche Regimenter, die ihren Lauf nach Deutschland nahmen. (Erzherzog
Maximilian an den Administrator der Kurpfalz am 26. Januar; Mb., 119/3,
f. 139; Or. und der züricher Rat an den Administrator am _23,_Januar
2. Februar
das., f. 224, Or.; vgl. auch no. 21 und no. 29.)