Full text : Tagebuchblätter. Zweiter Band. (2)

819  Stilllaget  —  Stillstand.

rauschende  musik  ist  mir  zuwider  Goethe  Clandine  2;
kam  ein  siill  sanltes  sausen  1.  Kön.  19,  12;  von  einem
wenig  Nedenden  gesagt  er  ist  heute  recht  still;  sie
wurde  zuletzt  immer  redseliger.  und  ich  immer  stiller
Goethe  Du  W.  10;  in  den  Begriff  des  Verborgenen,
Heimlichen  übergegangen:  die  zagen  trucgen  stillen  rũt
Walther  105,  18;  es  gibt  noch  andre  mittel,  stillere
Schiller  M.  Stuart  1,6;  die  gelahr  velche  in
solch  stillem  besuch  licgt  Freytag  Waldemar  2,l;
furchten  wir  die  ganze  rache  dieser  stillen  feindin
Schiller  Karl.  2,  10;  in  Geschästen  ein  stiller  teilbuber;
  dem  stillen  trunk,  suff  ergeben  sein;  adverbial
et  was  stille  thun;  eine  menge  alter  irrthomer  stille
berichtigt  Herder  Ideen  16,  1;  —  verinnerlicht,  von
Gedanken,  Gefühlen,  Bestrebungen:  stille  teilnahme
für  jemanden,  stille  wunsche,  gebete,  stiller  hasz,
stilles  hinbruten,  beileid  u.  s.  w.;  mit  einem  stillen
neid  uber  den  unbekannten  glüucklichen  Goetbe
Wahlverw.  2,  7;  die  stille  neigung  einer  furstin  Du  W.
20;  die  liebe,  noch  so  stille  gehegt  Div.  1,  6;  in  stiller
hrust  2,  1;  geruhrt  von  meincr  scele  stillen  leiden
Schiller  Karl.  2,  15;  in  angeborner  stiller  glorie  ebd.;
der  schn  ist  .  in  einer  stillen  oder  lauten  ver-#wleitlung
  Tieck  ges.  Nov.  2,  226;  bat  sich  ein  stilles
bond  zwischen  uns  gewoben  .  veil  wir  beide  .  .  zu
dem  groszen,  stillen  bunde  gehbren  Freytag  Valentine
4,  2;  stille  arbeit,  stiller  fleist  (Schiller  Karl.  2,  10),
stille  studien  (Nanke  Werke  1,  289);  von  Personen:
ein  stil!  sicher  volk  Richt.  18,  27;  tsie)  suchen  folsche
snehen  wider  dic  stillen  im  lande  Pf.  35,  20;  stille  im
lunde  später  =  Anhänger  frommer  Sekten:  warte  mit
gelassenheit,  wie  die  stillen  in  dem  londe  Günther
819;  es  war  dicser  mann  von  art  der  stillen  im  lande
Goethe  Wanderj.  1,  11;  prädlcativ  und  adverbial:
stil!  für  sich  hin  sein,  lebon,  still  leiden,  seufzen,
weinen,  sich  freuen;  friedfertig,  stillchin,  sanftmuthig
Ranke  Päpste  1,  172;  der  stillschoffenden  naturkraft
Freytag  Bild.  1,  24;  du  kommt  eio  selig  stillesein
in  mein  bewegt  gemute  Geibel  3,  51;  —  seste  Verbindung
  im  stillen,  —  lautlos:  der  Elbstrom  lege  sich
zur  ruh,  wo  vicht,  so  schleich  er  doch  im  stillen
Günther  bei  Steinbach;  späler  —  verborgen,  heimlich,
  ohne  Aussehen:  im  stillen  fortzuwirken  Goethe
Tasso  2,  1;  dir  musz  ichs  im  stillen  bringen  Arndt
324;  im  stillen  schaffen,  dosz  der  oalte  herr  nichts
wahrnimmt  Scheffel  Tromp.  129;  —  das  stille.  Ort
wo  es  stlll  ist:  setze  dich  in  das  stille  Jes.  47,  5.  —
Zusammensetzungen:  Stilllager,  u.  Ort  wo  ein  Kriegsheer
  eine  Zeitlang  seill  liegt.  —  Stillleben,  n.  Leben
im  Stillen,  ohne  Aussehen  und  Aufregung:  armsclige
  beschränktheit  ihres  binnenländischen  stilllebens
Treitschke  2,  76;  ein  böchst  zufriedenes,  vertrautes
stillleben  Keller  Werke  8,  212;  bei  Malern,  Gemälde
von  zusammengestellten  leblosen  Gegenständen:  ölgemülde,
  entweder  wunderliche  landschaften  oder  grobe
stillleben  enthaltond  Keller  Werke  1,  124.  —  Stillschweigen,
  n.  Schweigen  gänzlich  obne  Lant,  völligcs
Schweigen:  voch  cioigem  stillschweigen  Schiller  Kab.
5,  1;  wünsche  nur,  dasz  kein  ubel  ursache  an  Ihrem
stillschweigen  sein  möge  Goethe  an  Schiller  1798;
beobuchtete  ..  ein  geistreiches  stillschweigen  Moltke
6,  85;  mit  stillschweigen  ubergehen  (Bismarck  Red.
7,  710,  stralen  (15,  192)  u.  a.  —  slillschweigend,  im
Stillschweigen:  wenn  diese  herren  .dem  spasze  stillschweigend
  den  rucken  kehrten  Keller  Nachl.  58.  —
Stillstand,  m.  das  Stillstelen,  in  älterer  Spr.  auch
stillestand;  in  eigentlichem  Sinne:  st.  eines  wageos,
cisenbahnzuges.  des  wassers,  der  pferde;  den  truppen
st.  kommandieren;  freier,  einer  unternchmung.  eines
betricbes,  geschäfts;  waflenstillstand;  ist  denn  stillstand.
  blcibt  es  nuch  still  um  mein  einsames  häusehen
Arndt  217;  (der  Tod)  setzte  vustes  grausen  an  die

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stelle  (des  Lebens)  und  eisgen  stillstand  Geibel
2,  277;  sollte  .  ein  stillstind  in  den  opcrationea  eintreten
  Moltke  6,  389;  rechtlich:  dasz,  als  das  gericht
schon  scine  silzc  eingenommen  hatte,  um  das  urtheil
zu  sprechen,  der  churfurst  demselben  stillstsnd  gebieten
  liess  Ranke  Werke  1,  196;  bei  Eintreibungen,
Einstellung  des  Verfahrens,  und  Frist,  während  der  cs
eingestellt  bleibt:  war  ein  erbe  so  tief  versunken.  das:
es  sich  ohne  stillestand  nicht  retten  konote  Möser
Phant.  1,  159;  der  landmann  der  einen  stillestand
suchte  2,  66.  —  Stillständer,  m.  der  in  bürgerlichen
Rechten  still  steht;  schweizerisches  Wort:  cin  balbes
dutzend  alte  stillständer,  die  vor  dreiszig  jabren  fallirt
..  haben  Keller  Seldw.  1,  4.

Stille,  l.  Zustand  des  Stillseins,  ahd.  stillt,  mhd.
stille,  nach  verschichdenen  Bed.  des  Adjcctivs;  Unbewegkheit:
  stille  des  meeres,  meeresstille,  des  wassers,  der
luft,  windstille;  tiefe  stille  herrscht  im  wasser,  ohns
regung  roht  dos  meer  Goethe  Meeres  Stille;  Gegensatz
  zu  Sturm:  der  wind  leget  sich,  und  ward  cine
grosze  stille  Marc.  4,  39;  Abwesenheit  von  Geräusch,
Lautlosigkeil:  dir  näch  wart  ein  stille,  dôö  der  sehal
verdaz  Rt.  2015;  wenn  ja  noch  ein  laut  die  todte
stille  bricht  Wieland  Klel.  2,  175;  in  der  heiligen
stille  der  wälder  Schiller  Räub.  1,  1;  uber  ibrem
sarge  ruh  und  stille  Goethe  nat.  Tocht.  3,  4;  von
Menschen,  Schweigen:  da  nu  eine  grosze  stille  ward,
redet  er  zu  juen  Ap.  Gesch.  21,  10;  da  er  nubn  ein
stille  bezert,  etwas  zum  volk  zu  reden  Zinkgres
1,  350;  könig,  nach  einer  tiefsinnigen  stille  (spricht)
Schiller  5,  193;  eine  lange  und  tiefe  stillc  Karl.  3,  3;
Aushören,  Unterbrechung  ciner  Thätigkeit,  Pause:  und
ward  also  zwischen  uns  einc  stille  mit  sehreiben  widernander
  etliche  jar  Luther  d,1934;  dort  ruh  ich  eine
kleine  stille  Goethe  W.  Meister  8,  2;  in  örtliche  Bed.
übergegangen:  wo  der  herr  mir  nicht  hulfe,  so  lege
meine  seele  schier  in  der  stille  Ps.  94,  17;  in  ländlicher
  stille  wohnen;  die  einsumkeit,  die  klösterliche
stille  Wieland  Aspasia  52;  —  verlnnerlicht:  stille
des  innern,  gemuts;  mit  jener  scligen  stille  des  herzens
Wieland  #.  6,  1;  —  in  der  stille,  wie  im  stillen
(vgl.  unter  still);:  de  kommt  mon  denn  So  in  der  stille
hinter  ihm  herum  Schiller  Picc.  2,  7:  die  sache  wird
sich  in  der  stille  schlichten  lussen  Geibel  7,  52;
(dort  soll)  die  umladung  in  oller  stille  geschehen
Moltke  6,  132;  sich  in  der  stille  trauen  lassen,  ohne
gesellschaftlichen  Prunk,  u.  a.  —  siillen,  still  machen,
ahd.  stillan,  stillen,  mbd.  stillen;  ruhig,  unbewegt
machen:  wanda  ober  du  sinc  (des  Meeres)  wella  stillest
Notker  Psf.  88,  10,  wie  bei  Luther  du  stillest  seine
wellen,  wenn  sic  sich  erheben  Pf.  89,  10;  sie.  stillte
das  blut  Gocthe  W.  Meister  4,  20;  lamlos  machen,
zum  Schweigen  bringen:  er  stillet  groz  geschreie
Neidhart  31,  9;  der  du  stillest  das  brausen  des
meers  Ps.  65,  8;  übertragen  auf  Leiden  und  Leiden.
schaften:  murren  (1.  Mos.  17,  5),  hader  (Spr.  Sal.
18,  19),  zank  (15,  19),  2orn  (21,  14),  aufruhr,  empörung,
Sschmerz  stillen;  darnn  erkennen  wir.  dus  wir  nus  der
warheit  sind,  und  können  unser  berz  fur  jm  stillen
1.  Joh.  3,  19;  auf  Begierden:  hunger,  durst;  als  die
eszlust  der  muntern  schar  gestillt  war  Keller  Werke
6,  215;  stille  mein  verlsogen  Homburg  Clio  Gd-;
kann  mein  herz  deinen  ungebeuren  hunger  nicht  stillen
Schiller  Ficsko  1,  11;  eines  schnsucht  ungeduld
stillen;  mit  persönlichem  Acc.,  besonders  in  älterer  Spr.,
zum  Schweigen  bringen,  zufrieden  siellen:  si  sint  vil
ihte  dä  2e  slillen.  dien  liep  üne  leit  geschiht  Minnes.
Frühl.  1059,  25;  (er)  deredct  sie,  das  sie  zufrieden  waren,
und  stillet  sic,  dus  sic  sich  alles  guts  zu  jnen  verschen
  solten  2.  Macc.  13,  26;  einen  mit  geschenken
stillen,  aliquem  muneribus  #fcre,  einen  zornigen
stillen,  iratum  lenire  Steinbach;  auch  —  Empörke

Stillständer  —  siillen.