Full text : Gesetz-Sammlung für die Königlich Preußischen Staaten. 1893. (84)

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Die  Division  Holleben  wirkte  zur  Unterdrückung  der  revolutionären
Umtriebe  im  Königreich  Sachsen  mit.  Der  in  Dresden  ausgebrochene
Aufstand  wurde  durch  den  Oberstlieutenant  Grafen  Waldersee  mit
3  preußischen  Bataillonen,  die  von  Berlin  mit  der  Eisenbahn  dorthin
befördert  wurden,  im  Verein  mit  den  sächsischen  Truppen  blutig
niedergeschlagen  290).  Dann  mußten  sich  die  Divisionen  Holleben  und
Schack  in  westlicher  Richtung  in  Marsch  setzen,  um  an  der  Bekämpfung
  des  Aufruhrs  in  der  bayerischen  Pfalz  und  in  Baden  teilzunehmen.
  Außer  den  erwähnten  größeren  Verbänden  war  eine
Anzahl  weiterer  Landwehrbataillone  teils  zur  Besetzung  der  Festungen
teils  zur  Aufrechterhaltung  der  öffentlichen  Sicherheit  einberufen
worden,  und  wieder  hatte  es  die  schimpflichsten  Auftritte  gegeben,
so  in  Düsseldorf,  Elberfeld,  Krefeld,  in  Mühlhausen,  Erfurt,  Langensalza,
  in  Breslau  und  anderwärts.  In  Iserlohn  und  Prüm  wurden
die  Landwehrzeughäuser  geplündert.  Die  beiden  Berliner  Bataillone
(I.  und  3.)  des  20.  Landwehrregiments  erwiesen  sich  schon  auf  der
Bahnfahrt  nach  Hamm  als  eine  so  zuchtlose  Rotte,  daß  das  Generalkommando
  in  Magdeburg  und  die  Hannoversche  Generaladjutantur
warnende  Berichte  nach  Berlin  sandten.  Einige  Kompagnien
mußten  schließlich  durch  Linientruppen  umstellt  und  entwaffnet
werden.  Drei  Wehrmänner  vom  Bataillon  Prüm  wurden  kriegsrechtlich
  erschossen,  mehreren  Bataillonen  das  Recht  zur  Führung
von  Fahnen  entzogen,  ihre  Benennungen  verändert.

Nachdem  sich  Preußen  entschlossen  hatte,  den  Aufruhr  in  der
Pfalz  und  in  Baden  durch  seine  Waffen  zu  dämpfen,  da  die  dortigen
Regierungen  hilflos  waren,  wurde  Ende  Mai  ein  mobiles  Armcekorps
  an  der  Nahe  zusammengezogen,  das  hauptsächlich  aus  den  im
Rheinlande  stehenden  und  dorthin  beförderten  Truppen  bestand,  soweit
  sie  nicht  zur  Besetzung  der  Festungen  und  der  großen  Städte
zurückbleiben  mußten.  Den  Befehl  führte  Generallieutenant  v.
Hirschfeld  I,  Chef  des  Generalstabes  war  Major  v.  Roon.  Die
Truppen  der  Genorale  v.  Holleben  und  v.  Schack  vereinigten  sich,
nachdem  sic  die  Gegend  von  Wetzlar  erreicht  hatten,  zu  einem  zweiten
Armeekorps  unter  dem  Generallieutenant  Grafen  v.  d.  Gröben.
Beide  Korps  bildeten  die  „Operationsarmee  am  Rheine“,  deren  Oberbefehl
  auf  A.  K.  O.  vom  9.  Juni  der  Prinz  von  Preußen  übernahm.
Das  I.  mobile  Armeekorps  (Hirschfeld)  hatte  in  4  Divisionen  und  ciner
Reservekavalleriebrigade  eine  Ausrückestärke  von  19400  Mann,  das
II.  (Gröben)  zählte  in  3  Divisionen  und  einer  Reservekavalleriebrigade
15000  Mann.  Dazu  kam  das  aus  Bundestruppen,  namentlich  Hessen
und  Mecklenburgern,  bestehende  sog.  Neckarkorps  unter  dem  Generallieutenant
  v.  Peucker  mit  18900  Mann.  Die  preußischen  Truppen
waren  hauptsächlich  dem  III.,  IV.,  VII.  und  VIII.  Armeekorps

*“))  1.  und  Füs.  Bat.  Kaiser  Alcxander  Gren.  Regts.,  Füs.  Bat.  24.  Juf.
Regts.,  ein  Detachement  der  Gardepionierabteilung.