Full text : Europäischer Geschichtskalender. Fünfundzwanzigster Jahrgang. 1884. (25)

426  Inhang.

Partei  ausüben  und  somit  zu  einer  unerwünschten  Lösung  der  Verwicklungen
in  Little  Popo  beitragen  werde.

„Ich  begab  mich  in  Begleitung  des  Dr.  Buchner  gegen  Abend  an
Land,  um  folgenden  Tags  möglichst  früh  das  Palaver  abhalten  zu  konnen,
behuss  dessen  Zusammenberufung  ich  unvergüglich  Botschaften  an  den  V
treter  des  KRönigs  von  Grigi  und  die  Häuptlinge  von  Litlle  Popo  argehen
ließ.  Im  Laufe  des  Abends  hörten  wir  von  den  dentschen  Herren,  zu  denen
sich  auch  der  Hanplagent  von  Victor  Söhne  (Bremer  Faktorei,  Hr.  Neimann,
gesellte,.  noch  manchen  Beitrag  zur  Geschichte  der  Vergrößerung  des  dortigen
englischen  Kolonialbesites  erzählen;  wie  Sir  Samuel  Nowe,  der  ehemalige
Generalgouverneur  der  Goldküste-  Kolonie  —  er  ist  seit  kurzem  abberufen  und
soll  nicht  wieder  auf  seinen  Posten  zurückkehren  —  nach  Kapitän  Stubenrauchs
  Einschreiten  in  Little  Popo  dorlhin  gekommen  sei  und  einige  Tage
bindurch  öffentlich  angekündigte  Geldspenden  au  Frauen  und  Mädchen  verleilt
  habe;  wie  bezahlte  schwarze  Agenten,  meist  Sierra-Leone-Neger,  in  die
noch  nnabhängigen  Negerländchen  geschickt  würden,  um  Zwistigkeiten,  Unruhen,
  Schädigungen  des  europäischen  Handels  und  dadurch  Gelegenheiten
zum  gewallsamen  Einichreiten  hervorzurufen;  wie  besonders  gegenwärtig  das
zwischen  Little  Popo  und  der  englischen  Goldküste-  Kolonie  gelegene  Togoland
mit  den  Küstenortschaften  Porto  Seguro.  ageida  und  #  Lome,  (Bey-Beach)
durch  die  Drohungen  des  englischen  Distriktskommissionärs  Firminger  von
Kitta  (Quittah)  in  Aufregung  versetzt  worden  sei.  Dieser  Herr  sei  kürglich
mit  englischen  Kolonialsoldaten  (Haussa)  in  den  drei  genannten  Küstendistrikten
  erschienen,  um  sich  bei  deren  Häuptlingen  über  den  Schmuggel,  der
mit  dem  daselbst  frei  eingegangenen  Tabak,  Pulver,  Num  und  Gin  nach  der
englischen  Besitzung  getrieben  werde,  zu  beklagen  und  deuselben  Geld  für  die
Aunnahme  des  englischen  Protektorats  zu  bieten.  Als  die  Häuptlinge  sich
auf  ihre  Abhängigkeit  von  Togo  beriefen  und  aus  einer  Unterredung  in
Porto  Seguro  mit  Abgefandten  des  Königs  von  Togo  —  dieser  selbst,  welcher
gleichzeitig  ein  großer  Fetischpriester  ist,  darf  seine  Residenz  nicht  verlassen  —
kein  günstigeres  Rejultat  für  seine  Absichten  erfolgt  war,  hätte  Firminger
den  Leuten  erklärt,  er  lasse  ihnen  30  Tage  Zeit,  um  entweder  die  fremden
Kanfleute  aus  ihrem  Lande  zu  entfernen  oder  das  englische  Protektorat  auzunehmen,
  und  werde,  wenn  sie  weder  das  eine  noch  das  andere  freiwillig
thun  wollten,  nach  Ablauf  der  gestellten  Frist  das  Land  mit  Gewalt  nehmen
und  der  Goldküsten-  Kolonie  einverleiben.  Dann  begab  er  sich  zu  den  in
Bageida  und  in  Lome  (eine  halbe  Stunde  von  der  englischen  Grenze  entfernt)
angesiedelten  Deutschen,  Agenten  der  Firmen  Wölber  u.  Brohm,  Victor  Söhne
und  C.  Goedelt,  um  ihnen  zu  sagen,  daß  die  Eingebornen  Böses  gegen  sie
im  Schilde  führten,  daß  er  aber  im  nahen  Kilta  vorkommenden  Falls  stets
zu  ihrer  Hilfe  bereit  sein  werde.  Sobald  Firminger  das  Land  verlassen
halte,  waren  die  Leute  von  Lome  und  Bageida  zu  den  Kaufleuten  mit  der
Erklärung  gekommen,  daß  sie  sich  bereit  machen  möchten,  das  Land  zu  räumen,
da  andernfalls  die  Engländer  kommen  zu  wollen  gedroht  hälten.  Hr.  Heinrich

NRandad,  Hauptagent  der  HH.  Wölber  u.  Brohm  für  diesen  Teil  der  Küste,
war  vor  einigen  Tagen  von  Little  Popo  nach  Bageida  und  Lome  gereist,
um  zu  sehen,  was  in  der  Sache  zu  khun  sei.

„In  der  solgenden  Nacht  liefen  Vriese  aus  Lome  und  Bageida  ein,
welche  die  Lage  der  deutichen  Faktoreien  als  bedrohlich  schilderten.  Der
König  von  Togo  und  seine  Edlen  hätten  ein  Rundschreiben  an  die  Küfstenleute
  erlassen,  demzufolge  diese  die  fremden  Kaufleute  in  Güte  veranlassen
sollten,  ihre  Geschäfte  aufugeben  und  das  Land  zu  verlassen,  nötigenfall
aber  sollten  sie  durch  Anwendung  von  Gewalt  jeden  Vorwand  gu  englischem
Einschreiten  aus  dem  Wege  räumen.  Und  so  würde  es  nach  der  Ansicht  der