*-1# Das Haus Wittelsbach 133
Ursachen, die in Bayern die einzigen geblieben sind. Der Kanzler Herzog
Wilhelms, Leonhard von Eck, hat mit geschickter Hand Strenge
und Milde zu paaren gewußt. In überaus kluger Weise verstand
die bayrische Regierung sich ihre Treue gegen die römische Kirche
von dieser bezahlen zu lassen. Sie erhielt das Recht zu Klostervisitationen,
ein Fünftel der bischöflichen Einkünfte wurde ihr gegeben,
die Pfründenvergebung in den „päpstlichen Monaten“ ihr gleichsalls
eingeräumt, das Strafrecht den Bischöfen genommen. Von
den Greueln des Bauernkrieges ist Bayern verschont geblieben.
Die gemeinsame Gefahr hat da einen Augenblick lang die feindlichen
Geschlechter der Habsburger und Wittelsbacher verföhnt.
Zwar versucht Herzog Wilhelm noch 1530 gegen Ferdinand von
Österreich als Kandidat für den deutschen Königsthron aufzutreten,
als er aber unterliegt, kommt es zu einer Aussöhnung: der junge
Herzog Albrecht von Bayern wird mit der Tochter Ferdinand I.,
Anna, verheiratet und bekommt für den Fall des Aussterbens der
Habsburger in männlicher und weiblicher Linie gewisse Erbrechte
zugesprochen.
Noch in das letzte Regierungsjahr (1549) Wilhelms IV. fiel das
Eindringen der Jesuiten nach Bayern. Die Wirksamkeit dieses Ordens
für den Kampf gegen die Reformation ist eine viel zu bedeutsame
gewesen, als daß ihrer nicht hier besonders gedacht werden sollte.
Als der spanische Ritter Don Inigo Lopez de Recalde y Loyola
in Fieberphantasien schwerverwundet auf seinem Schmerzenslager
stöhnte und in ekstatischen Träumen, die er dann wachend weiterspann,
ihm der Gedanke kam, eine Armee von Gottesstreitern zum
ausschließlichen Dienste des Papsttums zu schaffen, da konnte er
noch nichts wissen von dem Auftreten des Mönches in Wittenberg.
Die Angriffe, die Luther bald gegen den Papst in Rom zusschleudern
begann, mußten diese Pläne, sobald sie nur einmal greifliche Form
angenommen hatten, unbedingt fördern. Mit gleichgesinnten Genossen
gründete Loyola dann die Gesellschaft Jesu (bestätigt 1540),
die zuerst von den Päpsten etwas mißtrauisch angesehen wurde, bald
aber ihr vornehmlichstes Kampfmittel geworden ist. Der Jesuiten
Ziel war ein zweifaches: die Heiden außerhalb Europas zu bekehren,
ihr Heiliger wurde Franz Taver, und die Ketzer in Europa zu
überwinden. Sie knüpften zu diesem Zwecke an Gedanken an, die
schon vor ihnen Luther verstanden und durchgeführt hatte. Um Einfluß
auf das religiöse Leben der Menschen zu gewinnen, mußte
man mit ihnen in ihrer Muttersprache reden, aus vornehmer Ab-