Full text: Bismarck Die gesammelten Werke. Band 6b. (6b)

374 Letzte Mahnungen und Warnungen Bismarcks vor Rückkehr Wilhelms I. 
1617. Telegramm an den Staatsminister Grafen zu Culenburg, 
z. Zt. in Ems. 
[Cigenhändiges Konjept.] 
Berlin, den 14. Juli 1870. 
Uur Station: 1 loes vorm.) 
Es scheint dringend nothwendig, daß die Minister schleunig hier unter Vorsitz Seiner 
„Maojestät versammelt werden. 
R. H. Lord, The Origins of the War of 1870. p. 240. 
1618. Telegramm an den Staatsminister Grafen zu Eulenburg, 
z. Zt. in Ems. 
[Cigenhändiges Konzept.) 
Am Abend des 13. Juli hatte Abeken seiner „Emfer Depesche“ vom Nachmittage, welche 
die Creignisse dieses Tages bis u dem ersten Botengang des Prinzen Radjiwill zu Benedetti 
(ogl. ARr. 1012, Vorbem.) darstellte, noch ein Celegramm nachgefügt, welches die weiteren Vor- 
gänge schilderte. Es lautete: „Nachdem Se. Majestät der König das in meinem Telegramm 
Gemeldete an Graf Benedetti hat sagen lassen, hat letzterer von neuem Audienz erbeten, weil er 
Depesche vom Herjog von Gramont habe; er bedürfe noch einer Antwort. Der König hat ihm 
wieder sagen lassen durch Adjutanten: „Wenn, was er zu sagen babe, mit der perfönlichen Srage 
der Thronkandidatur zusammenhänge, so habe Se. Majestät zu dem, was er heute morgen ihm 
gelagt. nichts wetter binzuusücen wolle er. Graf Benedetti, weitere Sragen daran knüpfen, so 
möge er sich an den Minister wenden.“ Graf Benedetti hat sich einstweilen dabei berubigt“. 
Sbarabteristlscherweise entbält auch dieses Telegramm Abehkens nicht den geringsten Hinweis 
darauf, daß der König der einen Sorderung Benedettis, nämlich der ausdrücklichen Approbierung 
der Sßronuntfagung des Erbprinzjen nachträglich durch eine Radjiwill aufgetragene Bestellung 
entsprochen hatte. eluc. jetzt blieb Bismarck also noch in Unkenntnis darüber, wie sehr der 
König seinen dringenden Natschlägen entgegen gehandelt hatte. Abekens Schlußsatz, daß Benedetti sich 
einstweilen beruhigt babe, ließ aber bei dem Kanzler die Besorgnis aufkommen, der König 
könne noch weiteren Attacken des französischen Botschafters ausgesetzt sein. Bismarck bielt es 
unter diesen Umständen für nötig, anzudenten, daß ein etwaiger nochmaliger Empfang Benedettis 
durch den König die Stellung der Minister der ölfenkicden Meinung gegenüber unrettbar kompro- 
mittieren müsse. Es ist dies. wie im Hinblick auf Ipätere Erzöhlungen Bismarcks (M. Busch, 
Cagebuchtläkier, II, 16-3) festgestellt werden muß, die einzige dokumentarische Anspielung . 
ein eventuelles Abschied sgelsuch aus den Tagen vom 12. bis 14. Juli. Bismarcks Warnung, 
nach einem Nandvermerk Abekens dem König im Moment seiner Abfabrt nach Koblenz mit 
geteift wurde, hat nicht verhindert, daß der König zu Benedetti, der sich zum Abgang des Suges 
auf der Vahn eingefunden hatte, gogte: „Japprends qdue Vous partez ce soir pour Berlin; 
mol je m'y rends demain: tout ce qul' a rapport à la politique se traitera doréènavant de 
ministere à ministere“. Nandbemerkung König Wilhelms zu einem Drivatschreiben des Grafen 
Solms vom J17. Juli lsko. Im Sinne Bismarcks waren natürlich diese Worte des Königs, die 
nach allem, was vorgefallen war, den Granjolen noch eine Möglichkeit zu geben schienen, ihr 
diplomatisches Spiel von neuem zu beginnen, eine abermalige Kompromittierung seiner Politik, 
die freilich durch die „Emser Depesche“ im voraus paralgsiert war. 
Berlin, den 14. Juli 1870. 
ur Station: 1165 vorm.] 
Unsre Stellung als Minister würde der öffentlichen Meinung gegenüber nicht haltbar 
bleiben, wenn der König Benedetti in Ems nochmals empfängt. 
R. H. Lord, The Orlgins of the War of 1870. p. 240.