Metadata : Erinnerungen des Kronprinzen Wilhelm.

und  sie  glaubte  durch  weiche  Nachgiebigkeit  die  anti—
nationalen  Treibereien  beschwichtigen  und  beschwören  zu
können.  Widerstandslos  ließ  sie  die  Dinge  laufen  und
schien  sich  über  das  schicksalsschwere  Ende,  in  das  sie  so
über  kurz  oder  lang  ausmünden  mußten,  die  letzte  Klar—
heit  garnicht  geben  zu  wollen.

Wo  irgend  Schwierigkeiten  aufwuchsen  und  Hinder—
nisse  sich  ergaben,  da  sollten  wieder  die  kleinen  Mittel—
chen,  die  halben  Maßregeln,  die  mit  beiden  Händen
hingestreckten  übergroßen  Konzessionen  oder  das  zaghaft
und  zu  spät  gewährte  Entgegenkommen  helfen.  Sie  ga—
ben  Flickwerk,  mit  dem  man  sich  notdürftig  behalf,  bis
dann  am  Ende  alles  aus  den  Fugen  ging.  —  Zivildik—
tatoren  mit  starkem,  weg=  und  zielbewußtem  Siegeswillen,
  wie  Clemenceau  und  Lloyd  George  solche  für  ihre
Länder  gewesen  sind,  haben  bei  uns  vollständig  gefehlt.
Je  länger  der  Krieg  dauerte,  umso  autokratischer  und
straffer  wurde  in  den  Ländern  unserer  Gegner  regiert,
umso  unsicherer  und  nachgiebiger  gegen  jeden  Druck  von
links  bei  uns.  —  Den  heimischen  Munitionsarbeitern
wurden,  um  sie  bei  guter  Stimmung  zu  erhalten,  phan—
tastische  Löhne  bewilligt.  Ihre  Begehrlichkeit  wurde
dadurch  nur  gesteigert,  die  Drückebergerei  nur  noch
lohnender  prämiiert,  der  Frontsoldat  noch  mehr  ver—
ärgert  und  kriegsunlustig  gemacht.  Warum  wurde  nicht
jede  kriegswichkige  Arbeit  in  der  Heimat  als  Wehrpflicht
  geregelt?  Warum  wurden  die  zu  der  Heimakarbeit
  Eingezogenen  nichk  in  Entlohnung  und  Verpflegung
  den  Heeresangehörigen  gleichgestellt!?  Man  redeke
ja  bis  zum  Uberdruß  von  den  pflichttreuen  Heimatkämpfern!
  Die  Organisakion  in  diesem  GSinne  hätte

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