Metadata : Gesetz- und Verordnungs-Blatt für das Königreich Bayern. 1881. (8)

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leiden  tritt  häufig  mit  solcher  Heftigkeit  auf,  daß  die  Hornkapseln  sich  lostrennen  uud  die
befallenen  Thiere  sich  nur  schwer  von  der  Stelle  bewegen  können.

Der  Ansteckungsstoff,  welcher  bei  dieser  Krankheit  erzeugt  wird,  ist  theils  flüchtiger,
theils  fixer  Natur;  derselbe  findet  sich  in  dem  Athem  der  kranken  Thiere  und  haftet  an
dem  Inhalte  der  Blasen,  am  Maulschleime,  an  dem  Blute  und  an  allen  Ausleerungen  der
befallenen  Thiere,  insbesondere  auch  in  der  Milch,  am  Koth  und  Harn.

Die  Ansteckung  erfolgt  entweder  direkt  von  Thier  zu  Thier  oder  durch  Zwischenträger
(selbst  durch  Menschen),  an  denen  der  Ansteckungsstoff  haftet;  hauptsächlich  sind  es  die  Viehmärkte,
  die  Eisenbahnviehwagen  und  die  Wege,  auf  denen  kranke  Thiere  getrieben  werden,
die  Stallungen,  in  denen  dieselben  gestanden,  Dünger,  Stroh  und  Heu,  Stallgeräthschaften
rc.  2c.,  welche  von  dem  Ansteckungsstoff  verunreinigt  werden  und  als  die  gefährlichsten
Zwischenträger  desselben  angesehen  werden  müssen.

In  Deutschland  und  in  den  westlichen  Ländern  Europas  entwickelt  sich  die  Seuche
niemals  von  selbst;  dieselbe  wird  vielmehr  stets  aus  dem  Osten,  vorzugsweise  durch  russische
Schweine  eingeschleppt,  welche,  entweder  durch  große  Länderstrecken  getrieben,  oder  auf  Eisenbahnen
  transportirt,  die  Wege  und  Transportwagen  infiziren,  wodurch  die  Seuche  oft  in
ganz  kurzer  Zeit  über  weite  Länderstrecken  verbreitet  wird.

-  Die  Zeit,  in  welcher  die  Seuche  nach  erfolgter  Ansteckung  zum  Ausbruche  kommt,
beträgt  in  der  Regel  3  bis  6  Tage;  auch  können  die  Thiere  wiederholt  von  der  Seuche
ergriffen  werden.

Die  Dauer  der  Krankheit  beträgt  in  der  Regel  8  bis  14  Tage,  abgesehen  von  gewissen
  Nachkrankheiten,  wie  Geschwürbildungen,  Wundliegen  rc.  2c.,  welche  die  Genesung
der  Thiere  lange  verzögern  können,  während  die  ursprüngliche  Krankheit  in  der  angegebenen
Zeit  beendet  ist.  Abgesehen  von  Milchkälbern,  welche  der  Seuche  in  der  Regel  erliegen,
führt  letztere  selten  zum  Tode,  so  daß  eigentliche  Verluste  an  größeren  und  werthvolleren
Thieren  bei  dieser  Seuche  weniger  vorkommen.

Dennoch  werden  die  Landwirthschaft  und  der  Viehhandel  durch  diese  Seuche  in  hohem
Grade  geschädigt,  und  zwar  in  einer  Ausdehnung,  wie  kaum  bei  einer  anderen  Thierseuche.
Die  Verluste  an  Arbeitskraft,  an  Fleisch  und  Milch  u.  s.  w.  sind  unberechenbar  und
machen  diese  Seuche  in  hohem  Grade  gefährlich,  weßhalb  bei  den  jetzigen  Viehverkehrsverhältnissen
  energische  Schutzmaßregeln  gegen  dieselbe  zur  äußersten  Nothwendigkeit  geworden