320 Zweites Buch. Die erste hohenzollernsche Staatogründung.
Dem konnten die Niederlande nicht unthätig zusehen. Im
September besetzte Moritz von Oranien Emmerich und Rees,
von Nimmegen aus rückten Truppen der Republik in Goch,
Gennep und Navenstein ein. Nochmals tagte im Oktober in
Tanten ein Friedenskongreß: neben Brandenburg und Pfaljz-Neuburg
waren Spanien und die Niederlande, Frankreich, England
und Köln vertreten. Die in dem gemeinsamen Besitz
liegende Gefahr immer neuen Hadere zu beseitigen, teilte er
das Land am 10. November 1614 so, daß Cleve, Mark,
Ravenoberg und Navenstein an Brandenburg, Jülich und Berg
an Pfalz-Neuburg kommen sollten. Gebessert wurde damit
nichts: nach wie vor beanspruchte der Kaiser die oberstrichterliche
Entscheidung, und die Spanier behaupteten die besetzten
Plätze. Mit ihrer Hilfe wollte die katholische Partei jetzt den
entscheidenden Schlag führen, die Evangelischen aber blieben
uneinig und unthätig. Johann Sigiomund begriff den Ernst
der Lage: mit dem evangelischen Glauben stand die deutsche
Freiheit auf dem Spiele, „die beiden höchsten und köstlichsten
Kleinodien“. Alles wollte er an ihre Verteidigung setzen. Wer
aber half ihm? Die Union fürchtete, griff sie zu den Waffen,
die Gefahr nur zu steigern, namentlich für Kurpfalz. England
hatte nur Worte, Dänemark empfahl die Hilfe des Kaisers
anzurufen, Kursachsen leugnete jede böse Absicht der katholischen
Partei und lehnte die erbetene Zusammenkunft als nutzlos ab,
solange man sich nicht vorbehaltlos dem Kaiser beuge. Die
Stände der Mark erneuten ihre Beschwerden und sahen in der
hereinbrechenden Bedrängnis die Strase des Himmels für den
Abfall vom rechten Glauben. In Preußen aber wühlte die
lutherische Hetzerei alle Leidenschaften auf: wenn Polen zugriff,
war die Nachfolge für Brandenburg verloren. Nochmals eilte
der Kurfürst daher im Herbst 1616 dorthin. Daß er am
20. Oktober in seinen Gemächern reformierten Gottesdienst
halten ließ, steigerte die Erregung. Ein neuer Ausbruch der
lutherischen Unduldsamkeit erfolgte, als er Ostern 1617 das
Abendmahl reformiert empfing. Wieder tobte der streitbare
Behm von der Kanzel der Schloßkirche gegen das calvinistische
Brotbrechen und bezichtigte den Kurfürsten fündhafter Ver-