Full text : Kronprinz Wilhelm. Meine Erinnerungen aus Deutschlands Heldenkampf.

der  Beobachtungestellen  in  oder  dicht  hinter  der  vorderen  Gefechtslinie
bei  größeren  Rampfhandlungen  die  Artilleriebeobachtung  völlig  lahmlegen
  würde.  Das  war  auch  die  Ansicht  des  Gberkommandose.

Die  einzige  Möglichkeit,  die  taktische  Lage  bei  Verdun  überhaupt  zu
bessern,  bestand  in  dem  Radikalmittel,  die  VDerteidigung  auf  beiden  Maas-Ufern
  bis  in  die  Ausgangsstellungen  vor  Beginn  des  Angriffs  zurückzuverlegen.
  Das  aber  hätte  das  offene  Wingeständniso  des  völligen  Mißlingens
  der  großen  Verdun-Offensive  bedentet  und  wäre  in  moralischer
Zinsicht,  zumal  in  diesem  für  die  Gesamtlage  kritisch  zugespitzten  Augenblicke,
  von  elner  in  ihrer  Tragweite  schwer  absehbaren  Wirkung  auf  das
Seer,  auf  die  Zeimat,  auf  das  feindliche  und  neutrale  Ausland  gewesen.
Daneben  hieß  es  auch  unsere  militärischen  Rarten  in  unerwünschtem,  in
gefährlichem  Maße  aufdecken.  Denn  der  Feind  wußte  dann,  daß  er  eine
Wiederaufnahme  unseres  für  den  Augenblick  abgebrochenen  Angriffes  auf
Derdun  in  alle  Zubunft  nicht  mehr  zu  besorgen  hatte,  während  er  unsere
jetzige  Stellung  trotz  der  zur  Zeit  geübten  Zurückhaltung  doch  nach  wie  vor
als  drohende  Auefallstellung  ansehen  mußte.  Das  erlaubte  ihm  nicht,  seine
eigene  Front  über  ein  gewisses  Maß  zu  schwächen.  Wir  banden  wenigstens
Teilkräfte  an  dieser  Stelle.

Gleichwohl  waren  wir  der  Ansicht,  daß  wir  vor  der  Anwendung  des
Radibkalmittels  der  Zurücklegung  unserer  ganzen  Rampffront  bis  in  die
Ausgangsstellungen  des  Februar  unter  Umständen  nicht  zurückschrecken
dürften,  wenn  nämlich  nach  der  allgemeinen  Kriegslage  oder  aus  sonstigen
Anzeichen  mit  dem  Bevorstehen  eines  feindlichen  Großangriffs  zu  rechnen
war.  Oieser  Fall  aber  schlen  weder  mir  noch  meinem  Chef  zur  Seit  wahrscheinlich.
  Die  RKraft  der  Franzosen  hatte  sich  ganz  offenkundig  von  Verdun
  weg  nach  der  Somme  verlegt.  Wir  wußten,  daß  der  Feind  ganze  Divisionen
  dorthin  ohne  Ersatz  abgegeben  oder  mit  abgekämpften  ausgetauscht
batte.  Auch  seine  Artillerie  hatte  er  verringert,  seine  Linien  überall  verdünnt.
  Größere  Angriffe  auf  breiterer  Front  erwarteten  wir  daher,  solange
  die  Somme-Schlacht  anhielt,  nicht;  örtlich  begrenzte  Teilangriffe
bielten  wir  allerdings,  besondero  auf  dem  Ostufer,  jederzeit  für  möglich.,
Sie  rechtfertigten  im  unseren  Augen  nicht  den  Entschluß  der  bampflosen
Dreisgabe  des  gesamten  eroberten,  mit  dem  Herzblut  meiner  Soldaten
getränkten  Bodens.

Sehr  entschieden  sprach  sich  mein  Thef  aber  auch  bei  diesem  Vortrag

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