kanern und Japauern wurde eine Schutztruppe gebildet, zu der
die Russen das stärkste Kontingent stellten. Ein Ultimatum an die
Kommandanten der Forts bei Taku wurde mit einer Beschießung
der dort versammelten Kriegsfahrzeuge der fremden Mächte beantwortet,
bei der Erstürmung der Forts floß auch deutsches Blut.
Durch ein Landungskorps mußte Tientsiu geschützt werden, Entsatztruppen
unter dem Befehl des Admirals Seymour für die in
Peking eingeschlossenen fremden Gesandtschaften konnten, unterwegs
von einer chinesischen Ubermacht umzingelt, ihr Ziel nicht
erreichen und nur unter schweren Kämpfen befreit werden.
Während des Scheiterus dieser Unternehmung war der deutsche
Gesandte Freiherr v. Ketteler der Wut des chinesischen Pöbels zum
Opfer gefallen. Die Spannung, ob nicht alle Fremden in Peking
niedergemetzelt seien, dauerte wochenlang an, da alle Verbindungen
mit Peking unterbrochen waren und nur unsichere Botennachrichten
zur Küste kamen. Eude Juli 1900 schätzte man die Gesamtzahl
der fremden Truppen nach Eintreffen der von den einzeluen
Mächten abgeschickten Verstärkungen auf 115 000 Mann
mit 300 Geschützen, und es entstand die schwierige Frage, welche
Macht den Oberbefehlshaber stellen sollte. Nach der Zahl der
Streiter hätte Rußland die erste Anwartschaft auf das Oberkommando
gehabt, aber England und Japan hatten keine Lust, das
ohnehin vorhandene russische Ubergewicht noch zu verstärken. Nächst
den Russen waren die Japaner amt stärksten vertreten, aber einer
japanischen Führung stand die russische Rivalität entgegen, und
ebenso wünschte Rußland nicht, sich einem englischen Oberbefehl
zu unterstellen. Danach blieb nur die Wahl eines deutschen Feldherrn
übrig.
Im Frühjahr 1901 entstand ein Zeitungsstreit über die Frage,
von wem die Anregung des deutschen Oberbefehls ausgegangen
sei, ob vom Zaren oder vom Deutschen Kaiser. Bülow erklärte
im Reichstage, das Oberkommando in China sei vom Zaren in
erster Linie in unsere Hand gelegt worden, mehr könne er nicht
sagen. Dagegen erweckte ein Artikel im russischen Regierungsboten
den Anschein, als ob der deutsche Oberbefehl den Mächten
gleichsam aufgedrängt worden sei. In Wirklichkeit war ein Vorschlag
des Kaisers an den Zaren dahin gegangen, daß, wenn der
61