— 151 —
den Staatsgeschöften unterrichtet, und ein Franzose, Marquis von
Beauveau, erzog ihn nach den damaligen Grundsätzen der franzöfsischen
Nation, deren leichtfertige Sitten die Deutschen schon nachzuahmen
anfingen. Max Emanuel war ein schöner Mann von
gefälligem Wuchse. Sein Gesicht lieblich geformet, voll feiner
Züge, mit sanftgebogener Nase und schmeichelndem Auge nahm
beim ersten Anblick ein. Sein Gemüth war aber allzu reizbar,
voll Durst nach Vergnügungen, voll Begierde nach Ruhm, und
eben so weich und gutmüthig, als auflodernd und unbeständig.
Dabei überließ er sich in allen Verhältnissen seines Lebens zu sehr
dem Wechsel der äußern Eindrücke, und einem leichten Sinne.
S. 4.
Diesen jungen Fürsten suchten zwei große Mächte, die sich
feindlich gegenüber standen, zu gewinnen; Oesterreich, wo Kaiser
beopold, und Frankreich, wo Ludwig XIV. berrschte. Beide schmeichelten
ihm, machten schöne Versprechungen, und wollten ihn durch
Bande der Ehe sich verbinden. Für Oesterreich sprachen auch die
treuen Räthe und sein Oheim Max Dhilipp. Eine Zusammenkunft
mit dem Kaiser Leopold zu Altötting gewann endlich den
jungen Fürsten für das Erzhaus. Bald hierauf bewies Emanuel
seine gänzliche Hingebung für Oesterreich in drei Feldzügen gegen
die Türken, die schon Wiens Thore bedrohten. Er half Wien entsetzen
10835, Neuhäusel und Ofen erobern, kämpfte mit Ruhm
bei Essek und Mohackz, und erstürmte Belgrad, 1088. Von Frennd
und Feind wurde Emanuels Tapferkeit bewundert. In jeder Gefahr
zeigte er kaltes Blut und Geistesgegenwart, und im dichtesten
Kugelregen das wittelsbachische Löwenherz. Die Türken hießen
ihn nur den blauen König, und fürchteten ihn. Für alle seine
Ansirengungen und Auslagen in den Türkenkriegen, für das Blut
von 30,000 Bapern erhielt Emannel nichts, als die leere Hand
der Kaiser-Tochter, Maria Antonia, und damit eine schwache Hoffnung
auf das Erbe Spanien, 10. Juli 1085. Denn die Mutter
seiner Braut, Margaretha Theresia, war die jüngere Schwester des
spanischen Königs, Karl II., der keine näheren Erben hatte. Zwar
mußte Antonia vor der Vermählung allen Erb-Ansprüchen entsagen;
aber Maximilian Emannel hoffte dennoch im Stillen.
0“