158
Staͤdte der Triumph der neuen Parthie voͤllig sicher, der
alte Zusammenhang mit Mainz oder mit Minden böllig
aufgeloͤst war, so fiengen schon Verfolgungen der Zwinglianer
an ), für welche gewiß keine der Entschuldigungen
vorgebracht werden konnte, womit man den Eifer gegen
die Wiedertäufer, wie sie besonders in Niedersachsen und
Wesiphalen sich zeigten, nicht ungültig zu rechtfertigen
suchte *). Kein Prediger blieb leicht in irgend einer dieser
drei Städte mehrere Jahre lang ?7##8), kein Verbesserungsauch
Kinder, so ungetanft starben, auf den gemeinen Kirchbof
sollte begraben dürfen. Bl. XCIV. wird dem Superintendenten
auferlegt, die Sonntagsevangelien mir den übrigen Geistlichen
vor der Predigt zu conferiren, ihnen das Schwere zu
erklären, ihnen zu zeigen, nach welcher Ordnung und aus welchen
Schriften er selbst dieselbe erkläre, damit Eintracht in der
Lehre sep. Weil in katholischen Zeiten alle Tage eine Messe
war, so sollte auch alle Tage eine Predigt seyn, die aber an
Werktagen mit allem dazugehörigen nicht über drei Viertelstun-=den
dauern sollte. Das in der Stadt Hannover niedergesetzte
Ehegericht bestund nach Bl. XCIX. aus einem Nathmann, dem
Spndikus und dem Superintendenten.
*) Schon 1531 mußte ein hiesiger Prediger bei der Albanikirche
vor dem Stadrmagistrat und den Gilden den Zwinglianismus
abschwören. Gött. Chr. II. Th. S. 402.
**) Rehtm. Kbist. der Stadt Braunschw. IV. Th. S. 114.
x**) Welche Veränderungen auch nur in Göttingen in den ersten
fünf Neformationsjahren vorgiengen! Die zwei ersien reformirenden
Prediger waren 1520 Frieder. von Hüventhal und
Jak. Cordewage, beide mußten sich aber füchten. Gött. Chr.
II. Tb. S. 332. 341. f. 351. Lehterer fluͤchtete sich mit seiner
Elisabeth nach Magdeburg, und ersterer, ein Dominicaner
von Rostock, war fast mehr halb gutmüthiger, halb wilder
Schwärmer als evangelischer Prediger. Er predigte manchmal:
„Hütet euch vor denen, die nicht mögen Speck und
Kohl mit euch essen. Es werden nach mir kommen,
die drei= oder vierhundert. Gulden fodern, hütet