Metadata : Handwörterbuch der Preußischen Verwaltung. Zweiter Band (L-Z). (2)

Lehrer-  und  Lehrerinnenbesoldung

gebührt  nach  dem  G.  vom  15.  Juli  1886  (GS.
185)  die  Anstellung  in  allen  Fällen  dem  Staate;
doch  sind  die  Magistrate,  Schuldeputationen,
Schulvorstände,  Gemeinde=  und  Gutsvorstände
vorher  zu  hören.

Die  Anstellung  der  Lehrer  und  Lehrerinnen
  erfolgt  zunächst  provisorisch.  Die

67

daten  des.  Volksschulamts,  welche  ihre  Befähigung
für  das  Schulamt  in  vorschriftsmäßiger  Prüfung
nachgewiesen  haben,  schon  nach  einjähriger  aktiver
  Dienstzeit  bei  einem  Infanterieregiment  zur
Reserve  zu  beurlauben  (AE.  vom  27.  Jan.  1895
—  Um#l.  342;  vom  8.  Febr.  1900;  Erl.  vom
15.  Febr.  1900  —  U  Bl.  407).  Die  in  staatlichen

 

definitive  Anstellung  setzt  bei  Lehrerinnen  praktische
  Bewährung,  bei  Lehrern  außerdem  die
Ablegung  einer  zweiten  Prüfung  voraus  (s.
Lehrer=  und  Lehrerinnenprüfungen
  I  u.  IV;  UZBBl.  1880,  662;  1899,
548  sowie  Erl.  vom  11.  Jan.  1911  —  ugBl.  222).
Ausländer  dürfen  nur  mit  Genehmigung
des  Ministers  angestellt  werden  (nU##Bl.  1886,
702).  Lehrerinnen  scheiden  mit  ihrer
Verheiratung  aus  (U#Bl.  1892  S.  413,  835).

II.  Nach  Art.  23  VU.  vom  31.  Jan.  1850  sollen

Pflichten  der  Staatsdiener  haben
und  jedenfalls  keine  Gemeindebeamte  sein.
Dieser  Artikel  ist  zwar  suspendiert,  vielfach  sind
aber  die  für  unmittelbare  Staatsbeamte  geltenden
  Vorschriften  analog  auf  die  Lehrer  zur  Anwendung
  gebracht,  so  insbesondere  betreffs  der
Vereidigung  (Erl.  vom  6.  Okt.  1873  —  Umh#Bl.
667);  bei  der  Gehaltszahlung  während  eines  Urlaubs
  (Ug  Bl.  1866,  530,  s.  auch  U  BBl.  1905,  225);
wegen  Urlaubs  zur  Beschäftigung  an  Auslands-Lehrerbildungsanstalten

  vorgebildeten  Lehramtsbewerber
  können  ihrer  Dienstpflicht  auch  als  Einjährig-Freiwillige
  genügen  (Erl.  des  RK.  vom
19.  Febr.  1896  —  U.  3Bl.  662;  s.  auch  U  63Bl.  1898,
755;  1900  S.  466,  537;  1903  S.  254,  595).
IV.  Wegen  der  Gehaltsverhältnisse  der  Lehrer
an  den  öffentlichen  Volksschulen,  ihrer  Pensionierung,
  sowie  der  Fürsorge  für  ihre  Hinterbliebenen
  s.  Lehrerbesoldung;  Pensionierung
  der  Lehrer;  Witwenaund

  Waisenversorgung  der  Volksdie
  öffentlichen  Lehrer  die  Rechte  undssch

ullehrer.

Lehrer=  und  Lehrerinnenbesoldung.  I.  Die  VU.
vom  31.  Jan.  1850  bestimmt  im  Art.  25:  „Der  Staat
gewährt  den  Volksschullehrern  ein  festes  den  Lokalverhältnissen
  angemessenes  Diensteinkommen.“
Über  die  Regelung  der  L.  war  zunächst  das  G.
vom  3.  März  1897  (GS.  25)  ergangen,  zu
welchem  die  Ausführungsverfügung
vom  20.  März  1897  (UZBl.  328)  erlassen  worden
ist.  Die  Grundlage  dieses  Gesetzes  (Gewährung
eines  bestimmten  Grundgehaltes,  fester  Alters- 



schulen  (U.ZBl.  1905,  338);  bei  der  übernahme  von  zulagen,  freier  Dienstwohnung  und  entsprechen-Nebenämtern
  (MVyl.  1842,  15).  Das  G.,  betr.  die  der  Mietsentschädigung,  Sicherung  der  Frei-Dienstvergehen,
  vom  21.  Juli  1852  (GS.  465)  zügigkeit  der  Lehrer  durch  Einrichtung  von
findet  auf  Lehrer  als  mittelbare  Staats=  Alterszulagekassen)  hat  auch  das  neue  Lehrerbeamte
  entsprechende  Anwendung.  Die  Zwangs=  besoldungsgesetz  vom  26.  Mai  1909  (GS.  93)
vensionierung  der  Lehrer  ist  den  Vorschriften  für  festgehalten.  Es  erhöht  indessen  die  Mindestsätze
die  unmittelbaren  Staatsbeamten  entsprechend  für  Grundgehalt  und  Alterszulagen  und  führt
geordnet  (Erl.  vom  5.  Sept.  1888  —  UhBl.  einen  Tarif  für  die  Mietsentschädigung  ein.
765)0.  Die  Pflichtstundenzahl  der  Volksschullehrer  Dafür  aber  beschränkt  es  in  der  überwiegenden
ist  nicht  allgemein  begrenzt.  Zahl  von  Gemeinden  die  Möglichkeit,  über  diese

III.  Die  Stellung  der  öffentlichen  Volksschul=  Mindestsätze  hinauszugehen  (AusfAnw.  vom
lehrer  im  Gemeindeverbande  ist  be-  21.  Juni  1909  —  U  BBl.  625).  Durch  das  G.
sonders  geordnet:  Sie  können  nicht  Stadtver=  ist:!  die  öffentlichrechtliche  Schulunterhaltungsordnete,
  Mitglieder  des  Magistrates  oder  Ge=  last  nicht  geändert  (Pr  VWBl.  22,  31).  Unter
meindeverordnete  sein  (s.  Magistrate  III,  Schulverbänden  im  Sinne  des  Gesetzes,  denen
Stadtverordnetenwahlen  II,  Land=  die  Aufbringung  des  Diensteinkommens  obgemeindewahlen
  II)  und  sind,  so-  liegt,  sind  die  unterhaltungspflichtigen  Korweit
  sie  vor  dem  1.  April  1909  angestellt  sind  porationen  zu  verstehen  (s.  AusfAnw.  vom
(G.  vom  16.  Juni  1909  —  GS.  489),  von  direkten  22.  Juni  1888  zum  G.  vom  14.  Juni  1888,
Kommunalauflagen,  sowohl  innerhalb  der  Ge=  betr.  die  Erleichterung  der  Volksschullasten  —
meinde  der  einzelnen  bürgerlichen  Verbände,  als  GS.  240;  UBBl.  731).  Bei  den  bestehender
  weitern  kommunalen  Körperschaften,  ebenso  den  Vorschriften  über  die  Beschaffung,  Anvon
  Gemeindenaturaldiensten  und  von  Steuern  fuhr  und  Zerkleinerung  von  Brennmaterial  für
auf  den  Grundbesitz  rücksichtlich  ihrer  Dienstgrund=  die  Schulstelle,  sowie  für  die  Gewährung  sonstiger
stücke  und  Dienstwohnungen  befreit  ((  Ge-Naturalleistungen,  für  die  Gewährung  von  Ummeindebesteuerung
  der  Beamten  zugskosten  (ALR.  II,  12  88  39  ff.;  Preuß.
u  sw.  I,  Dien  l  ebäude  und  Dienst-Schulordnung  vom  11.  Dez.  1845  §  19;  Nasse.
grundstücke,  Naturaldienste).  Wegen  vom  26.  März  1862  §  6;  Lauenburg.  LGO.  8  43)

 

der  Schulsozietätslasten  in  der  Prov.  Posen  f.
Hausvater.  Auch  sonst  sind  die  öffentlichen
Volksschullehrer  im  Staatsleben  besonders
  gestellt:  Sie  können  nicht  Schöffen
und  Geschworene  sein  (GVG.  vom  27.  Jan.
1877  —  RBl.  41  —  §8§  34,  85),  nicht  Mitglieder
  des  Kreisausschusses  (Kr  O.  vom  13.  Dez.
1872  —  GS.  661  —  8§  131  und  die  Kr.
für  die  übrigen  Provinzen),  auch  nicht  Mitglieder
  eines  Waldschutzgerichts  (G.  vom  6.  Juli
1875  —  GS.  416  —  §&  49).  Im  Militärdienst
  sind  die  Volksschullehrer  und  Kandi- 



behält  es  sein  Bewenden  (88  27  u.  29  des
Lehrerbesoldungsgesetzes;  §  22  des  Schulunterhaltungsgesetzes
  —  s.  auch  Lehrer  und
Lahäkunnen  an  Volksschulen  —
Anstellung  usw.  —  Id  und  Umzugskosten).


II.  Dies  vorausgeschickt,  wird  über  die  Regelung
  im  einzelnen  folgendes  bemerkt:

1.  Die  an  einer  öffentlichen  Volksschule  endgültig
  angestellten  Lehrer  und  Lehrerinnen  erhalten
  ein  festes  Einkommen,  bestehend  in
Grundgehalt,  Alterszulagen  und  freier  Dienst-57