Full text : Die Kriegswirtschaft in Stolp 1914-1919.

schrot  geliefert  wurden.  Allein  dies  dürfte  schon  genügen,  um  bei  einer
Mittelstadt  ein  besonderes  Büro  in  Betrieb  zu  setzen.  Dazu  kam  dann
aber  weiter  die  erhebliche  Arbeit,  die  der  Verkehr  mit  dem  Publikum
als  dem  bei  der  Brotversorgung  leidenden  Teil  mit  sich  brachte.  Es  ist
ja  begreiflich,  daß  bei  allen  den  einschneidenden  Neuerungen,  die  keinen
der  Beteiligten  befriedigten,  sich  allerhand  Widerspruch  erhob,  und  der
Magistrat  wurde  bei  seiner  unbequemen  Mittelstellung  zwischen  RG.
und  Publikum  für  alles  verantwortlich  gemacht,  ohne  es  zu  sein.

Vom  Beginn  der  Getreidebewirtschaftung  an  hatte  der  Magistrat
die  Vermahlung  des  für  die  Stadt  gelieferten  Getreides  der  ja  einzig
in  Frage  kommenden  Mühle  von  Kauffmann  &  Sommerfeldt  in  Stolp
übertragen.  Das  Getreide  wurde  der  Mühle  von  dem  zuständigen  Kom—
missionär  —  zuerst  der  Firma  Gottschalk,  später  nach  Einrichtung  des
VV.  dem  Konsumverein  —  zur  Verfügung  gestellt,  für  einen  vertraglich
  festgelegten  Satz  gemahlen  und  dann  nach  den  Anordnungen  des
Magistrats  an  die  Mehlhändler  weitergegeben.  Jedoch  bereits  Anfang
1916  wurde  durch  Maßnahmen  der  R.  die  Gefahr  eines  völligen  Versagens
  der  Mühle  heraufbeschworen.  In  den  Jahren  1914  und  1915
hatte  die  Mühle  für  die  RG.  wie  auch  für  das  Proviantamt  Stolp  gearbeitet
  und  dadurch  ihre  Leistungsfähigkeit  wenigstens  annähernd  ausnußen
  können.  Jetzt  bielt  es  plötzlich  die  RG.  für  richtiger,  ihr  Getreide
auswärtigen  Mühlen  zu  geben  und  auch  das  Proviantamt  zur  Vertragskündigung
  zu  veranlassen.  Es  konnte  also  geschehen,  daß  Getreide  aus
dem  Kreise  Stolp  erst  nach  Westdeutschland  gefahren,  dort  gemahlen
wurde  und  dann  in  Gestalt  von  Mehl  wieder  nach  Stolp  zurückkehrte.
Infolgedessen  wurden  nicht  nur  unnötige  Gelder  für  Transporte  und
Kohlen  ausgegeben,  sondern  vor  allem  lief  die  Mühle  in  Stolp  zum  großen
  Teil  leer  und  hätte,  um  das  Verhältnis  zwischen  Betriebskosten  und
Einnahmen  nicht  unerträglich  werden  zu  lassen,  eigentlich  stillgelegt  werden
  müssen.  Kaufmann  &  Sommerfeldt  suchten  durch  Eingaben  an  die
Rö.  etwas  zu  erreichen,  aber  es  zeigte  sich,  daß  alle  anderen  Dienststellen,
  auch  die  stellv.  Intendantur  in  Danzig  und  das  Kriegsministerium,
völlig  machtlos  waren.  Auch  der  Magistrat  versuchte  sein  Heil,  wies
aber  von  vornherein  darauf  hin,  daß  gegen  die  „Allmacht  der  RG.“  vermutlich
  nicht  anzukämpfen  sein  würde.  Damals  müssen  ähnliche  Klagen
allgemein  laut  geworden  sein,  denn  gerade  in  den  Tagen,  als  die  Mühle
Kauffmann  &  Sommerfeldt  ihre  Eingabe  absandten,  wurde  auf  Veranlassung
  der  RG.  in  Stektin  eine  Besprechung  von  Vertretern  der  Land-41