Full text : Kriegführung und Politik.

126  VI.  A.  Innere  Politik  und  Kriegführung  bis  zur  Revolution  von  oben.

Sozialdemokratie  und  ihrer  wirtschafilichen  Einrichtungen,  der
freien  Gewerkschaften,  eine  schwere  Einbuße  an  der  Stärke  der  Regierungsgewalt,
  an  der  Geschlossenheit  des  Staates  und  an  dem
Kriegs-  und  Siegeswillen  des  Volkes  bedeuten  mußte.

Der  schwächliche  Gedanke,  der  Krieg  könne  nicht  gegen  die
„Sozialdemokratie“  gewonnen  werden,  führte  dahin,  daß  er  wesentlich
  durch  die  Sozialdemokratie  und  ihre  Helfershelfer  verloren
wurde.

Nicht  so  scharf  ausgesprochen  und  in  die  Augen  fallend,  doch
nicht  minder  bedeutungsvoll  war  die  Begünstigung  der  Demokratie
und  des  Zentrums  oder  das  Nachgeben  vor  ihren  Bestrebungen,
der  Verzicht  auf  jede  Leitung  und  Einwirkung  auch  diesen  beiden
Parteien  gegenüber.  Bei  den  engen  Beziehungen,  die  sich  zwischen
den  drei  Mehrheitsparteien  herausbildeten,  lief  aber  schließlich  alles
auf  das  gleiche  hinaus.

Die  Wahlrechtserlasse  Seiner  Majestät  des  Kaisers  im  April
und  Juli  19177*),  die  Einsetzung  des  Verfassungsausschusses  im
gleichen  Jahre  legen  davon  Zeugnis  ab.  Die  Aufhebung  des  Paragraphen
  2  des  Jesuitengesetzes  wirft  ein  besonderes  Schlaglicht.

Die  Demokratie  bekundete,  nachdem  die  Kriegsbegeisterung
verklungen  war,  den  gleichen  den  Krieg  nicht  verstehenden,  siegfeindlichen
  Geist  wie  die  Sozialdemokratie,  mögen  die  Gründe
zum  Teil  auch  andere  gewesen  sein.  Besonders  verderblich  war
das  Wirken  der  jüdischen  demokratischen  Blätter,  allen  voran  das
„Berliner  Tageblatt“  und  die  „Frankfurter  Zeitung“.  Jede  wirkte
in  ihrem  Bereich,  in  der  Heimat  und  im  Auslande,  in  der  gleichen
Richtung  wie  im  Frieden?*).  Ihnen  gesellten  sich  später  die

*)  Das  Aufwerfen  der  Wahlrechtsfrage  in  diesem  Augenblick,  nach  Ausbruch
  der  russischen  Revolution,  war  ein  besonderes  Zeichen  der  Schwäche  der
Regierung  und  mußte  als  solches  auf  den  Feind  kriegsermunternd  wirken.  Die  Zeit
zur  Anderung  des  Wahlrechts  in  Preußen  war  so  unglücklich  als  möglich  gewählt.

**7)  Die  demokratische  „Vossische  Zeitung“  kennzeichnet  die  Tätigkeit  des
„Berliner  Tageblattes“,  wie  folgt:

„Die  publizistische  Tätigkeit  des  „Berliner  Tageblattes.,  die  schon  vor  dem
Kriege  dazu  beigetragen  hat,  jene  vergifteten  Pfeile  der  Verleumdung  gegen