24 * Einleitung.
scheint es, als wollte der Chronist mit dem Gegensatz, in welchem die
Worte: inter hos ommes tantum medias erat Lotharius imperator,
non hujus, sed Saxonici generis, zu der von ihm dargestellten permanens
imperialis prosapia’) steken, Lothar als unberechtigten Eindringling
charakterisieren. Aus seiner Verwerfung der Kirchenpolitik
Friedrichs I. gegeniiber den geistlichen Gütern macht der
Chronist kein Hehl?), aber er ist stolz auf die kaiserlichen Siege
über „welschen Übermut“?), stolz auf den Anteil des J,orscher Abts
Heinrich an diesen Siegen*). Mit Hochgefühl redet er von der Teutonica
virtus, welche die Mailänder und Lombarden niederschmetterte®).
Die Hirsauer hasst er gleich den früheren Lorscher Mönchen, denn
ihre Frömmigkeit ist undeutsch®). In Lorsch empörte es die Geister,
in deutschen Gauen durch die Hirsauer fremdartige „Heuchelei“ ge-»flanzt
zu sehen‘). Die Lorscher Mönche haben Verständnis für
die Heiligkeit des Ehestandes und das deutsche Familienleben?) wie
für das Volksvergnügen®.. Das Scheibenschlagen '”) schildert der
Chronist mit sichtlicher Freude. Bei aller Teilnahme an den Anschauungen
der Zeit herrscht doch ein frischer, weltoffener, nationaler,
deutscher (eist in dem Werke der Lorscher.
Noch nach einer anderen Seite unterscheidet sich das Lorscher
Urkundenwerk vorteilhaft von dem Werk Eberhards. Dieser schreibt
mit ermüdendem Wortschwall und kann seinem erregten Herzen in
seinen Vorreden nicht genug thun!!), ja, er gestattet seinem Eifer
Fälschungen). Dagegen findet er nicht die nötige Ruhe, um die
Privaturkunden anders als im dürftigsten Auszuge wiederzugeben.
In Lorsch arbeitete man ruhiger, yründlicher, ehrlicher. Die Vor-1)
8. S. 23 Anm. 9. — *) Quas minas, quas clades, que extermiaia imperator
toti ecolesie intentaverit, L. 1, 258; M@. 21, 445; apud imperatorom
Fridericam preponderante magis secularium gratia quam justitia, L. 1, 243;
M@. 21, 439. — *) Cum Mediolani rebellionem et Longobardie insolentias
imperialis gladius protereret, I. 1, 256 f.; MQG. 21, 444. — *, Imperialibus
militavit aquilie, ebd. — ®) Multo labore ac sanguine Teutonice virtutis desndatum
est, ebd. —
*%).. . Domino servire quietl,
Ut mos Teutonicus jubet;
L. 1, 228; MG. 21, 433. — °) (H)oris Teutonicis, cur pullulat hee ypoorisis ?
Ebd. — ®) L. 1, 2235; M@. 21, 431. — ?) L. 1, 201; M@. 21, 422. Mit dem
Ausdruck „exemplo carnalis Ierael* ill der Mönch nicht Iudorum exercitia
verurteilen, sondern sie nur als Volksvergnügen kennzeichnen ; carnalis ist ihm
der Gegensats sum geistlichen Stand der Mönche. — '!") Vgl. oben 5. 18 Anm. 1.
— 11) Vgl. die Vorreden, Dr.1.c.S. V und ce. 62, wo einzelne Wendungen aus
den Vorreden wiederkehren. — '') 5. unten.