hat. Er hat ihm gesagt, dass er vermute, die deutsche Regierung
werde zur Stunde von der von Oesterreich vorbereiteten Note
genaue Kenntnis haben und also im Stande sein, die Versicherung
abzugeben, dass die österreichisch-serbischen Anstände
örtlich beschränkt würden. Der Staatssekretär beteuerte, dass
ihm der Inhalt der Note ganz unbekannt sei. Er hat sich auch
mir gegenüber in gleicheın Sinne ausgesprochen. Ich habe über
eine Erklärung nur staunen müssen, die mit dem so wenig
übereinstimmte, was die Umstände uns vermuten lassen.
Man hat mir übrigens versichert, dass jetzt gleich der vorläufige
Mohbilisationsbefehl, der, solange eine Spannung anhält,
Deutschland in eine Art « Achtungsstellung » versetzt, hier au
alle Klassen, die ihn in solchen Fällen erhalten müssen, bereits
ergangen ist. Es ist cdlies eine Massregel, zu der die Deutschen,
ihrer Gewohnheit gemäss, greifen können, ohne Indiskretionen
befürchten zu müssen und ohne die Bevölkerung dadurch aufzuregen.
Sie hat nicht sensationellen Charakter, und es folgt ihr
auch nicht notwendigerweise die wirkliche Mobilisation, wie
wir es schon gesehen haben; sie ist aber nichtsdestoweniger bedeutungsvoll.
Jules Cambon.
Nr. 16.
Herr Bienvenu-Martin. stellvertretender Minister des Aeussern,
nach London, St. Petersburg, Wien und Rom.
Paris, den 21. Juli 1914.
Ich mache Sie besonders auf Nachrichten aufmerksanı,
die ich von Berlin erhalte : der französische Botschafter meldet
die ausserordentliche Schwäche der gestrigen Berliner Börse
und schreibt dies den Besorgnissen zu, die die serbische Frage
zu erregen beginnt.
Herr Jules Cambon hat sehr ernste Gründe zu der Annahme,
Deutschland werde, wenn Oesterreich den infolge des
Attentates zu Serajewo für nötig erachteten Schritt in Belgrad
unternimmt, es mit seinem ganzen Ansehen unterstützen, und
zwar ohne zu versuchen, die Vermittlerrolle zu spielen.
. Bienvenu-Martin.