Full text: Preußische Geschichte. Dritter Band. (3)

II. Die Behaupkung Schlesiens und die Anerkennung 
als ruropäische Macht. 1742—1745. 
Daß er seine Verbündeten im Stich gelassen, stellte Fried- 
rich so wenig in Abrede wie er leugnete, daß in einiger Zeit 
ein anderer, vielleicht günstigerer Friede möglich gewesen wäre. 
Aber als Politiker und für sein Volk glaubte er richtig ge- 
handelt zu haben: bei ungünstigem Wind müsse man die Segel 
einziehen; das Glück erzwingen wollen sei gefährlich, und wer 
zu viel verlange, sei nie zufrieden. Was man deshalb über 
ihn rede, erklärte er, sei ihm gleichgültig: über Fürsten ver- 
möge doch nur die Nachwelt zu urteilen. Wohl aber hoffte er 
auf einen längeren Frieden, behauptete gegen den Wiener Hof 
„die besten und amiabelsten Intentionen“ zu hegen und hielt 
sogar die Herstellung des ehemaligen guten Einvernehmens für 
möglich. Denn er brauchte einige Jahre zur Konsolidierung 
des Staates. Während derselben dachte er in „glücklichem 
Quietismus“ alle Bündnisse zu meiden, die kriegerische Ver- 
wickelungen veranlassen könnten, und nur einige „Parade- 
allianzen“ einzugehen. Die Sicherheit seines neuen Besitzes 
aber gründete er auf „einen gefüllten Schatz, starke Festungen 
und eine gute Armee“. Für diese wurden die Erfahrungen 
des Krieges alsbald verwertet. Die Zahl der Bataillone wurde 
vermehrt, die Mobilmachung beschleunigt und die Infanterie 
wesentlich vervollkommnet durch Veränderung und Vereinfachung 
der Kommandos und Steigerung der Beweglichkeit der Linien 
sowie des einzelnen Mannes im Gesecht. Bei der um zwanzig 
Husareneskadrons vermehrten Reiterei wurde der Galopp als 
Gangart eingeführt und das Prinzip proklamiert, daß sie dem 
Feind niemals den Vorteil des Angriffs lassen dürfe. Alle 
Reformen dienten der Erziehung zu unaufhaltsamem Darauf-