II. Die Behauptung Schlesiens u. die Anerkennung als europ. Macht. 23
gehen. So meinte Friedrich sicher zu sein. Denn wenn das
Schlimmste, was ihm nach seiner Ansicht begegnen konnte, ein-
treten sollte, eine österreichisch-französische Allianz, glaubte er
der Niederlande, Nußlands und vieler anderer gewiß sein zu
können. Eine solche Wendung aber schien ihm außerhalb des
Bereichs der Möglichkeit zu liegen: denn da Oesterreich Loth-
ringen ebenso wenig werde vergessen können wie Schlesien, werde
Frankreichs Interesse stets mit dem seinen zusammenfallen.
Daher gelte es zunächst durch Mäßigung und Umgänglichkeit
die Nachbarn an die Stellung zu gewöhnen, die Preußen ge-
wonnen hatte.
Voraussetzung dafür war freilich, daß keine weitere Ver-
schiebung der Machtverhältnisse eintrat, in dem noch andauernden
Kriege also Oesterreich so wenig wie Bayern und Frankreich
völlig niedergeworfen wurde. Auch war Ende des Jahres 1742
das für Preußen wünschenswerte Gleichgewicht zwischen beiden
Parteien ungefähr hergestellt. Franzosen und Bayern hatten
unter Broglie und Seckendorf Bayern fast ganz zurückerobert,
dagegen Prag und Böhmen verloren. Damit schien der Augen-
blick zum Frieden gekommen. Nur lehnte Maria Theresia es
unbedingt ab, den Verzicht Karls VII. auf seine Erbansprüche
durch irgend welche Entschädigung zu erkaufen. Da man aber
ohne eine solche doch immer nur zu einem „platrierten Frieden“
gelangen könne, schlug Friedrich die Vergrößerung Bayerns
durch Säkularisation des Erzbistums Salzburg vor, wobei ja
nur der katholische Klerus etwas verliere. Aber in Wien hatte
der günstigere Gang des Krieges alsbald weitergehende Pläne
gezeitigt. In Bayern dachte man Ersatz für Schlesien zu ge-
winnen und fand einen bereitwilligen Helfer dazu in Georg II.,
der im Interesse Englands Frankreich niederwerfen und in dem
Hannovers Oesterreich stark erhalten wollte. So war im Früh-
jahr 1743 die Lage bedenklich gewandelt. Als Vorkämpfer der
Pragmatischen Sanktion erschien Georg II. im Reiche, das
nun Schauplatz eines Krieges werden sollte, in dem es sich gar
nicht mehr um deutsche Interessen handelte, sondern allein um
die Ausfechtung des europäischen Gegensatzes zwischen England
und Frankreich. Zu spät versuchte man dagegen die von Fried-