Metadaten : Deutsches Wörterbuch. Dritter Band R-Z. (3)

1297  Vorbid.

leuten  zucht  und  er  erpieten  Aventin  1,  s#1;  er
hstte  es  mit  der  regicrung,  voraus  mit  den  technischen
mitgliedern  derselbon  zu  thun;  als  Subsi.  (hier  betont
vorauüs  und  vöraus),  in  den  Formeln  im.  zum  vorans:
alle  frevel  sind  vergeben  im  voraus  Schiller  M.  Stuart
3,  6;  entschuldigte  sich  zum  voraus  Hebel  2,  176;
ich  setze  zum  voraus,  dio  ganze  gegend,  durch  dic  ich
Sie  führe,  ist  mit  schnee  bedeckt  Goethe  16,  298.
Vorbauen,  vor  etwas  anderes,  vorspringend  bauen,
haus.  stall,  erker;  schützend,  hindernd  bauen,  übertragen
einem  miszverständnisse  (Lessing  ant.  Br.  7);  da
gilts  vorbauen  Benedix  Wespe  2,  S.  —  vorbedenken,
vorher  bedenken,  etwas;  nach  einem  vordedachten  ziele
Nanke  Päpste  3,,7;  such  das  war  vorbedacht  CF  Meyer
Nov.  1,  276.  —  vorbedenten,  Zeichen  einer  künstigen
Begebenheit  sein:  vorbedeutende  ereignisse.  —  Vorbehalt,
  m.  Handlung  des  Vorbehaltens  und  Vorbehaltenes.
  —  vorbehalten,  mhd.  vorbehalden  im  Sinne  von
zurückhalten;  uhd.  =  vor  oder  gegenüber  einem  andern
behalten,  schützen:  do  die  burger  weiter  den  markt  nit
vorbehalten  kunten  Aventin  2,  421;  nur  —  ausbewahren:
  hastu  mir  denn  keinen  segen  vorbchalten?
1.  Mos.  27,  36;  er  zweifelte,  ob  dem  weltgeistlichen.
die  seligkeit  vorbehalten  sei  Freytag  Bild.  1,  488;
zu  Gunsten  eines  ausnehmen:  zeit  und  stunde,  welche
der  vster  seiner  macht  furbehalten  hat  Ap.  Gesch.  1,7;
die  schuldigen  zu  begnadigen,  behält  der  papst  sich
vor  Ranke  Pänpste  1,  206;  vorbehalten  seinc  oberherrlichen
  rechte  Werke  1,  74;  in  freierer  Wendung:  es
wuar  dem  kleinen  preuszischen  corps  der  ruhm  vorbehalten,
  diesen  entscheidenden  stosz  zu  führen  Häusser
d.  Gesch.  3,  71;  diese  schmach  war  dem  russischen  verbundeten
  vorbebalten  73;  —  dazu  vorbcehaltlich,  auch
mit  Umlaut:  vorbcehältlich  des  appells  an  se.  majestät
Bismarck  Red.  8,  176.  —  vorbei,  neben  einem  oder
etwas  hin  nach  vorn;  örtlich:  vorbei  neben  surbei,
trans,  praeter  Stieler;  mit  Verben  der  Bewegung,
flieszen,  laufen,  fahren,  reiten,  kommen,  einen  vorbei
lassen,  u.  s.  w.;  mit  näheren  Bestimmungen:  an,  vor,
bei  etwas  vorbei;  besonders  in  der  Verbindung  vorbeigehen,
  die  auch  mit  Acc.  steht:  als  ich  das  Thomssthor
  vorbeiging  Schiller  Fiesko  3,  11;  und  in  beslimmter
  Fügung  den  Sinn  übergehen,  gehend  vernachlässigen
annimmt;  mit  Aecc.:  kein  geschöpf  bist  du  vorbeigegangen
  Herder  Ideen  zur  Phil.  der  Geschichte  3,2;
nicht  ungern  gehn  sie  den  bischof  vorbei  und  wenden
sich  an  den  papst  Ranke  Werke  1,  170;  mit  Dat.:
er  sollte  ihm  ja  nicht  vorbei  geben  Freytag  Bild.
1,  397;  gleicher  Sinn  auch  in  andern  Verbindungen:
verbei  schieszen,  das  Ziel  nicht  treffen;  indem  er  geflissentlich
  bei  dem  regiments-adjutanten  vorbei  sah
Wildenbruch  Nov.  54;  —  vorbei  in  dringender  Rede
ohne  Verb:  rundo  vorbei,  perage  cursum  tuuml  ne
Ubsiskas!"  Stieler;  —  zeitlich:  etwas  gebt,  ist  vorbei;
dies  zucken  noch,  und  dann  wirds  vorbei  sein  Schiller
Räub.  5,2;  mit  den  tendenzen  der  eroberung  .  ist
es  vorbei  Ranke  Pärste  3,  123.  —  vorbereiten,  vorher
bereiten,  tüchtig  machen,  Voranstalten  treffen,  einc  sache;
einen  zu  etwas;  den  armen  sunder  zum  tode;  refl.:  ich
hatte  mich  schon  auf  ihre  ausfluchte  vorbereitet  Schiller
  Kab.  1,  6ö;  ohne  Obj.:  es  ward  darin  (in  dem  Ausfrusei
  .  .  auf  die  möglichkeit  eines  nahen  einruckens
der  Franzosen  vorbereitet  Häusser  d.  Gesch.  3,  31.
—  Vorbericht,  m.  Bericht  vor  einem  Buche  oder  einer
Schrift.  —  vorbeten,  Gebet  vorsprechen.  —  vorbengen,
vorwärts  beugen,  den  leib;  vorbeugend  wehren,  zu
verhindern  suchen,  mit  Dativ:  dem  angriff  deines  leinds
mit  klugbeit  vorzubengen  Lichtwer  244;  jeder  uberhebung
  war  vorgebengt  Treitschke  5,  184.  —
Vorbewußt,  m.  Zustand  des  vorher  Wissens:  mit  und
ohne  vorbewuszt  des  herra  Lessing  Minna  2,  2.  —
Vorbild,  n.  Musterbild  zur  Nachahmung:  solichs  ist

M.  Heyne,  Deuisches  Worterbuch,  lII.

vorbauen

1298

von  den  weissen  pschricben  und  uns  zu  einem  forpild
  plieben  H  Sachs  Fab.  2,  240;  vorbilder,  nicht
zum  nachahmen,  sondern  zum  nachstreben  Goethe
W.  Meister  8,  3;  vorbedeutendes  Bild:  der  kerkor
des  grabes  vorbild  Egmont  5.  —  vorbilden,  als  Bild
vorslellen:  wer  weisz  es,  was  die  furcht  den  guten
kindern  vorgebildet  Goethe  Cland.  2;  in  den  Ansängen
  bilden,  zu  künftiger  Entwickelung:  weil  sie  (diese
große  Veränderung)  im  volk  lüngst  vorgebildet  war
Freytag  Bild.  1,  518;  vorbedeutendes  Bild  sein:  die
eherne  schlange  bildete  Christum  vor  Adelung.  —
vorbitten,  statt  furbitten  (s.  d.):  er  hat  vorgebeten  —
Vorbote,  m.  der  etwas  Kommendes  vorher  anzeigt;
meist  übertragen:  morgenstern  .der  morgenröthe  vorbotte
  Opitz  3,  204;  wassenstillstand,  der  dem  feinde
der  vorbote  der  ubergabe  schien  Hänsser  d.  Gesch.
3,  77.  —  vorbrechen,  aus  einem  Hinterhalt  brechen:
brach  mit  zehn  schwadronen  .  gegen  den  feind  vor
4,  280.  —  vorbringen,  aus  dem  Verborgenen  ans  Licht
bringen:  er  brachte  aus  seiner  tasche  noch  ein  Danr
geldstucke  vor:  was  die  erde  vorbringet  Adelung:
übertragen  auf  ein  Aussprechen:  gründe,  entschuldigungen,
  unspruche  vorbringen;  die  menge  von  forderungen,
die  er  nach  und  nach  vorbrachte  Ranke  Werke  1,  218.
—  vordem  (betont  vérdem  und  vordem),  zusammengerückt
  aus  vor  dem  (vgl.  vor  II  1):  häuffger  als  er  vordem
  pflegte  Treitschke  5,  155;  auch  Bindewort,
bevor:  vordem  die  Englünder  in  Indien  ihre  ubermscht
gewonnen  bstten,  war  es  keinem  Europler  gestattet.
Globus  Bd.  63,  215.

Vorder,  voranstehend,  früher;  abd.  fordaro,  mhd.
vorder,  aus  vor,  mit  demselben  alten  Comparativfuffix
gebildet,  das  auch  ancder  (s.  d.)  zeigt;  in  älterer  Spr.
auch  mit  Umlaut;  räumlich:  mit  den  fordern  zweien
fuszen  2.  Macc.  3,  25;  das  forder  teil  (des  Schiffes)

Gesch.  27,  41;  die  vordern  zimmer  eines  bauses;
zeitlich:  des  vördern  keysers  bräder  D.  Städtechr.  8,  415;
die  vorder  oder  vorganguc  zeit,  priore  tempora  Maaler,
  jetzt  noch  im  Subst.  altvordern,  s.  d.;  —  Superl.
vorderst:  den  fördersten  elephanten  2.  Macc.  13,  15;
im  vordersten  glid,  die  vordersten  zäin  Maaler;  zu
vorderst  stehen,  vgl.  auch  zusammengerücktes  zuvorderst,
vörderst;  —  dazu  vorderurm,  -fusz,  gebäude,  -grund
(auch  übertragen:  im  vordergrunde  des  interesses;  motire
  welche  ich  .  in  den  vordergrund  gestellt  habe
Bismarck  Ned.  5,  15);  vorderhend  (wie  vorhand,  (.  d.;
im  Kartenspiele  trumpfe  in  der  vorderhand,  die  vorderhand
  haben),  vordermann  (in  der  Rechtsspr.  —  vorheriger
  Inhaber  einer  Sache,  militärisch  der  vor  einem
stehende),  vorderpferd  (im  Gespann  Schiller  3,  235),
vorderrad,  -atz,  seite.  -stube,  -teil.  reffen,  -zahn,  u.  a.

Vordrängen,  nach  vornhlun  drängen,  einen,  sich.
—  vordringen,  nach  vornhin  dringen,  praevalere,  zupnlantare,
  anteoecupare,  anterenire,  anfschpare  a#llguem
  Stieler;  uber  den  Ognon  vorzudringen  Moltke
3,  333.

Voreilen,  nach  vornhin  oder  voraus  eilen:  voreylen,
ylen  und  voranhin  gon,  praecelerare  Maaler;  ihrem
(beim  musikalischen  Zusammenspiel'  bald  zögernden,  bald
voreilenden  gatten  Goethe  Wahlv.  1,  8.  voreilig,
voraus  eilend,  mit  dem  tadelnden  Beisinn  des  übereilten:
  8  ist  ziemlich  voreilig.  sich  sachen  einznbilden
EKönig  an  Lessing  1770;  schon  bereut  der  alto  den
voreiligen  schritt  Schiller  Räub.  2.  1;  das  voreilige
ja,  was  ich  höre  Bismarck  Ned.  2,  243.  —  Voreltern,
Plur.,  Stammeltern,  Ahnen  1.  Mos.  19,  26  u.  ä.  —
vorenthalten,  vor  einem  andern  zurückbalten,  mit  dem
Beisinn  des  Rechtswidrigen:  er  enthält  ihm  das  erbteil
  vor;  wenn  man  mir  das  meinigo  so  schimpflich
vorenthült  Lessing  Minna  1,  6;  dir  genusse  vorzuenthalten
  Schiller  1.  39;  von  Personen:  welcher
die  ketzer  ihrem  rechten  richter  vorenthalte  Nanke

d2

vorbilden  —  vorenthallen.