sie vor den Ohren der Bauern spricht, so können sie dem
Gespräch fast ebensogut folgen, als wenn man ihre Mundart
spricht. Man kann ihrer Verwendung also nicht den Vorwurf
machen, daß man damit uusozial handelt. Da ich
aber, wie Sie wissen, ein Mundartenfreund bin aus Liebhaberei
für Mundartenforschung, so Fmreche l jetzt ebensogern
mit den Leuten haambachisch als hochdeutsch, und
bekam sogar in der Umgegend einmal gesagt: „Der Sprache
nach sind- Sie von Haambach.“
Nun hat aber die Mundart-Schriftsprachefrage noch
eine andere Seite. Es gibt Gebiete geistigen Lebens, für
die unsere Mundarten so, wie sie sind, versagen. Als ich
noch jüngere Beine hatte, beteiligte ich vuch au einem
Pfarrlränzchen der Umgegend. Wenn wir die Fragen, die
da besprochen wurden, in den Mundarten unserer verschiedenen
Heimaten hätten behandeln nuüssen, so wäre
wenig ernste Arbeit geleistet worden. Das fortwährende
Ringen mit der Sprache, um für jeden uus in hochdeutscher
Form geläufigen Gedanken einen passenden mundartlichen
Ausdruck zu finden, hätte ersteus alle geistige Kraft des
Redenden verschlungen und zweitens statt das Nachdenken
der Hörer über den vorgetragenen Gedanken anzuregen,
eher die Lachmuskeln in Bewegung gesetzt durch feine
drollige Form und den komischen Klang der jeweiligen
Mundart des Sprechenden. Versuchen Sie es mal, um
dies zu würdigen, niit der Darstellung Ihrer wissenschaftlichen
Gedankengänge durch ein französisches patois, und
Sie werden mir sofort **ie22F Hier ist die nackte
Wirklichkeit mächtiger als alle eisterung für unsere herrlichen
Mundarten, deren leechel segensreichen Einfluß
auf die Entwicklung unserer Schriftsprache ich, wie Sie
wissen, sehr hoch anschlage. Gewiß köunte man jede unserer
Mundarten auch für solche Gebiete zur Ausdrucksfähigteit
entwickeln. Es fungt sich nur, ob die Arbeit sich in unserer
verkehrsreichen Zeit, wo auch jeder Bauer seine hochdeutsche
Zeitung liest, lohnen würde.
Die Wirlung der Mundart auf die Lachmuskeln der
Zuhörerschaft wird übrigens in unserem elsässischen Theater
reichlich ausgenützt, oft auf Kosten der Gedanken. Der
geistig genügsame Zuhörer begnügt sich mit der Form.
Aber dieses Kapitalschlagen aus der Form in Ermangelung
wertvoller Gedanken beschränkt sich im Elsaß nicht bloß
aufs Theater. Ich kenne z. B. einen Amntsbruder, der bei
jedem kirchlichen Fest, z. B. einem Fest der innern oder
äußern Mission, als Redner auftritt. Was er sagt, würde