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IV. Reformation und ständischeso Regiment.
seine überreichen Zuwendungen an einzelne Begünstigte vereitelten
alle Versuche zur Besserung. Wenn die Stände klagten, unter
seinen Räten seien etliche vor allem auf ihre eigene Bereicherung
bedacht, so scheint das namentlich auf Eustach von Schlieben
gegangen zu sein, der ihnen um so anstößiger war, als er auch
manchem seiner Meißenschen Landsleute zu Amt und Brot
verhalf. Diese machte ihre eifrige monarchische Gesinnung nicht
beliebter, doch meinte Luther, Schlieben regiere zwar wie ein
Tyrann, lehre die Leute aber doch Mores.
Ordunng in die Finanzen zu bringen hatte auch der treffliche
Weinleben nicht vermocht. Die 80 000 Gulden, die des
Kurfürsten Einkommen betrug, reichten nicht aus. Schnell
wuchs die Schuldenlast, ohne daß die Stände, die nur landschaftliche
Interessen kannten, sich aber nicht als Vertreter des
Landes fühlten, eingeschritten wären. So stand man denn
nach kurien fünf Jahren ohne Krieg oder sonstige Heimsuchung
vor einer Schuld von einer Million Gulden. Im Frühjahr 1540
erhielten die zu Berlin versammelten Stände davon Keunntuis.
Aber so gern sie die endliche Anerkennung der kirchlichen
Neuerungen durch finanzielle Gegenleistungen erkauft hätten,
so ernste Besorgnisse mußte ihnen eine solche Wirtschaft für
die Zukunft erwecken. Nur um einen hohen Preis erkaufte
Zoachim Hilfe. Nicht genug, daß die auf das Land übernommene
Schuld auch von ständischen Bevollmächtigten verwaltet wurde:
er mußte sich verpflichten, „keine wichtige Sache, daran der
Lande Geveih und Verderb gelegen, ohne der Stände Vorwissen
und Nat zu beschließen oder vorzunehmen“, auch kein
Bündnis ohne ihrer Vertreter Nat und Bewilligung einzugehen.
War das thatsächlich bisher schon so gehalten: daß dieser Satz
alo für die Zukunft maßgebendes staatsrechtliches Prinzip proklamiert
wurde, enthielt eine unheilvolle Kürzung der landesherrlichen
Gewalt. Nicht bloß die innere, auch die answärtige
Politik wurde abhängig von den Ständen. Aber gleich danach
schloß Joachim sie von der Mitwirkung bei der Kirchenvisitation
aus. Seinen Unwillen darüber entlud ein Teil des Adels in
fast drohenden Eingaben an den mit der Schuldenverwaltung
betrauten ständischen Ausschuß. Joachim und seine Räte blieben