Full text: Anschaulich-ausführliches Realienbuch.

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in Habana ist die Cigarrenfabrikation. Es giebt hier mehr als 100 Fabriken, 
von denen manche über 600 Arbeiter beschäftigen. 
39. Südamerika. 
1. Die Westküste entlang zieht sich das Hochgebirge der Anden oder Cor- 
dilleren skordiljéren!. Ihre höchsten Gipfel (Aconcagua, Soräta, Chimbo-= 
razo (tschimborasso)) sind über 7000 m hoch und zum Teil als Vulkane thätig. 
Bald hier, bald dort bricht das unterirdische Feuer aus dem Krater hervor, und 
häufig wird das Land durch furchtbare Erdbeben erschüttert. Bei dem warmen 
Klima beginnt die Schneegrenze erst in einer Höhe von etwa 5000 m. (In den 
Alpen beginnt sie schon bei 2700 m, in Norwegen sogar schon bei 900 m.) 
2. An der Ostküste Südamerikas liegen die Bergländer von Guyana und 
Brasilien. Zwischen ihnen und den Anden breiten sich ungeheure Tiefebenen aus, 
die von mächtigen Strömen durchflossen werden: Orinoko, Amazonenstrom 
und Paranäd, der in den Meerbusen La Pläta mündet. 
3. Die Urwälder des Amazonenstroms. Der Amazonenstrom ist der 
wasserreichste Strom der Welt. An seiner Mündung ist er über 80 km breit, 
so daß er hier das Aussehen eines gewaltigen Sees hat. Das mächtige Strom- 
gebiet dieses Riesenflusses ist größtenteils mit Urwäldern bedeckt, in denen Baum- 
riesen von 2—4 m Durchmesser und 80—100 m Höhe nichts Seltenes sind. 
Um die Stämme winden sich, riesigen Schlangen gleich, dicke, holzige Schling- 
gewächse, die oben in den Asten die Bäume auf die mannigsachste Art miteinander 
verketten. Alljährlich werden vom Januar bis März die tiefgelegenen Gebiete 
des Urwaldes durch die infolge des Regens überfließenden Gewässer überschwemmt, 
so daß stellenweise nur die Baumkronen aus dem Wasser hervorragen. Hiermit 
hängt es vielleicht zusammen, daß es hier auffallend viele Klettertiere giebt (Faul- 
tiere, Affen, Eidechsen, Schlangen, Pumas, Jaguare u. s. w.). 
4. Die vereinigten Staaten von Brasilien liegen größtenteils im Gebiete 
des Amazonenstroms und des brasilianischen Berglandes. Ehemals waren sie 
portugiesisch, weshalb hier noch vielfach die portugiesische Sprache herrscht. Sie 
sind fast so groß wie Europa, haben aber nicht halb so viel Bewohner wie das 
Königreich Preußen. In den fruchtbaren Pflanzungen baut man Zuckerrohr, 
Baumwolle und besonders viel Kaffee. Brasilien allein erzeugt so viel Kaffee 
wie alle andern Länder der Welt zusammengenommen. Die üppigen Wälder 
liefern neben den schönen Nutz= und Farbhölzern (Mahagoni, Rosenholz, Brasil= 
holz u. s. w.) viel Kautschuk. Dieser wird aus dem Safte des Kautschukbaums 
gewonnen und zu Reibgummi u. dgl. verarbeitet. In Brasilien ist der Neger 
dem Weißen vollständig gleich gestellt; man sieht hier Neger als Generale und 
Minister. Die Indianer sind nur zum Teil für die Kultur und das Christen- 
tum gewonnen, viele aber schweifen hordenweise träge im Innern der Wälder 
umher. Die wildesten und rohesten unter ihnen sind die Botokuden. Ihren 
Namen haben sie von dem Holzpflocke (— Botoke) erhalten, den sie sich in die 
durchbohrte Unterlippe einklemmen. Die Hauptstadt Brasiliens ist Rio de Janeiro 
lriu de schansru] (400 T.), wunderschön im herrlichsten Grün an einer Meeres- 
bucht gelegen. Die beiden nächstfolgenden größten Städte sind Bahia (baia) und Per- 
nambuco. Da von Pernambuco besonders viel rotes Farb= oder Brasilholz 
ausgeführt wird, so hat dieses davon den Namen „Pernambucholz“ erhalten. 
5. Guayana gehört teils den Franzosen (Verbannungsort Cayenne), teils 
den Niederländern, teils den Engländern. Die heiße Schlammküste ist sehr frucht- 
bar und erzeugt Zuckerrohr, Baumwolle, Kakao, Kaffee, aber auch — das gelbe 
Fieber. In den dichten Wäldern des Innern hausen neben blutdürstigen Indianern