Full text: Anschaulich-ausführliches Realienbuch.

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4. Verwertung. Gas. Die Steinkohle dient in erster Reihe zur Heizung. 
Sie brennt sehr gut und giebt dreimal so viel Hitze als eine gleich große Menge 
des besten Buchenholzes. Die feste Kännelkohle, die besonders in England ge- 
funden wird, ist so hart, daß man sie schleifen und polieren kann. Sie wird 
daher zu Knöpfen, Uhrketten und vielen andern Schmucksachen verarbeitet. — 
Besonders wertvoll sind die Kohlen auch dadurch geworden, daß wir aus ihnen 
das Leuchtgas gewinnen, mit dem wir des Abends Zimmer und Straßen erhellen. 
Man benutzt dazu Ofen, in denen 6—12 m lange Thonröhren liegen. Jede Röhre 
kann etwa 100 kg Kohlen fassen. Nachdem man die Röhren fest verschlossen 
hat, wird der Ofen tüchtig geheizt. Nun entwickeln sich aus den Kohlen Dämpfe 
und Gase, die durch Röhren in einen großen Cylinder, die „Vorlage“, geleitet 
werden. Hier verdichten sich die Dämpfe zu Teer und Teerwasser, die in die Teer- 
cisterne abfließen. Die heißen Gase aber durchströmen hierauf einen kühlen Raum, 
den Kondensator, damit sie dort abgekühlt und verschiedene beigemischte Dämpfe 
verdichtet werden. Darauf werden die Gase noch mehrmals gereinigt. Das gereinigte 
Leuchtgas wird dann durch Röhren weiter in eine mächtige, mit der Offnung ins 
Wasser tauchende Trommel, das Gasometer, geleitet, von dort aber durch unterirdische 
Röhren in die Straßen und Häuser der Stadt. Die Überreste der zur Gasbereitung 
benutzten Steinkohlen heißen Koks. Sie geben noch ein vorzügliches Brennmaterial. 
120. Das Steinöl (Petroleum). 
1. Entstehung. Über die Entstehung des Steinöls weiß man nichts Be- 
stimmtes. Früher nahm man an, daß sich das Steinöl durch Zersetzung der 
Steinkohle gebildet habe. Demnach müßte man aber da, wo man Steinkohlen 
findet, auch Steinöl antreffen. Das ist jedoch meistens nicht der Fall. Da man 
aus Fett Petroleum herstellen kann, so neigt man jetzt vielfach der Ansicht zu, 
daß sich das Petroleum aus angehäuften Meertierleichen (Muscheln, Fischen u. s. w.), 
gebildet habe. Die noch mit dem Ole in den Gesteinsschichten eingeschlossenen Gase 
üben nicht selten auf das Petroleum einen gewaltigen Druck aus. Daher kommt es 
auch, daß bei Anbohrungen zuweilen das Ol von selbst einige Tage oder Wochen 
lang herausströmt. In Amerika kam dieser Fall kurz nach der Entdeckung des 
Steinöls nicht selten vor. Die Besitzer der Quellen konnten gar nicht genug 
Fässer herbeischaffen und mußten das Ol laufen lassen, wohin es wollte. In den 
meisten Fällen wird jedoch das Petroleum durch Pumpen aus der Erde hervorgeholt. 
2. Vorkommen. In größern Mengen wurde das Steinöl zuerst in Amerika 
aufgefunden. Ein Bohrloch im Staate Pennsylvanien lieferte 1859 mit Anwendung 
einer kleinen Pumpe täglich 1600 1, später sogar 4000 1. Uberall wurde nun in 
der Umgegend nach Petroleum gebohrt, und bald entlockte man der Erde reiche 
Schätze dieses bis dahin unbekannten Minerals. Wie kurz zuvor die Goldfelder 
Kaliforniens, so zogen jetzt die Olfelder die Menschen in großer Zahl herbei, 
und die Städte wuchsen wie Pilze aus der Erde. Auch an verschiedenen Stellen 
Deutschlands (Braunschweig, Holstein, Bayern, Lüneburger Heide u. s. w.) sind 
Petroleumquellen entdeckt, doch sind sie nicht besonders ergiebig. Sehr große Vorräte 
von Steinöl hat man dagegen bei Baku am kaspischen Meere aufgefunden. (Erdk., 
S. 141.) Der Hauptbedarf wird jedoch immer noch durch amerikanisches Ol gedeckt. 
3. Reinigung. Das Steinöl sieht im rohen Zustande bald hell-, bald dunkel- 
braun aus und bildet eine ziemlich dickflüssige Masse, die sehr stark riecht und sich 
leicht entzündet. Damit das Ol für unfre Lampen brauchbar werde, destilliert man 
es mehreremal. Dabei verflüchtigen sich zunächst die leicht entzündbaren Stoffe, 
Petroleumäther und Benzin; dann erst scheidet sich das Petroleum von der dichtern 
Masse aus. Es ist jetzt wasserhell oder schwach gelb gefärbt und zeigt einen bläu-