Full text: Anschaulich-ausführliches Realienbuch.

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herstellen. Fehlt dem Wasserdampfe der nötige Raum, sich auszudehnen, so er— 
langt er, wenn ihm immer mehr Wärme zugeführt wird, allmählich eine solche 
Spannkraft, daß er die stärksten Fesseln gewaltsam zerreißt! Warum darf man eine 
mit Wasser gefüllte Wärmflasche nicht verschlossen im heißen Ofen stehen lassen? 
59. Der Dampfwagen. (S. Abb.!) a. Nachdem man erst die ungeheure 
Kraft des Wasserdampfes kennen gelernt hatte, suchte man ihn sich dienstbar zu 
machen und setzte durch ihn große Maschinen in Bewegung. (1699 erfand ein 
Engländer die erste Dampfmaschine. Sie wurde später (1763) besonders durch 
James Watt verbessert.) Um das Jahr 1829 erfand man auch noch den Dampf- 
wagen oder die Lokomotive. 
b. Der Hauptteil des Dampfwagens ist der Dampfkessel, der von dem Feuer- 
raume (s. Abb. F) bis zur Rauchkammer () reicht. Er ist mit Wasser gefüllt 
und von mehr als 100 kupfernen Heizröhren durchzogen. In diese schlägt die 
Flamme aus dem Feuerraume (F) hinein, und so wird das Wasser sehr schnell 
in Dämpfe verwandelt. Diese sammeln sich vorzugsweise in dem großen Dampf- 
dome (D). Von hier aus gelangen sie durch das Dampfrohr (d) in die beiden 
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Dampfcylinder (C), die vorn zu beiden Seiten der Maschine liegen. In jedem 
Dampfcylinder befindet sich ein Kolben, der durch die Kraft des Dampfes in Be- 
wegung gesetzt werden soll. Es kommt eben nur darauf an, den Dampf ab- 
wechselnd vor und hinter den Kolben zu leiten. Das geschieht durch das sog. 
Schieberventil, das in der Dampfkammer (m) liegt. Ist z. B. der Dampf zuerst 
von hinten in den Dampfchlinder eingetreten, so schiebt er den Kolben nach vorn, 
während der Schieber durch eine besondere Vorrichtung nach hinten rückt. Nun 
öffnet sich eine vorher vom Schieber verdeckte Röhre, durch die der Dampf vor 
den Kolben tritt. Der Kolben wird jetzt rückwärts getrieben, und das geht um 
so leichter, als gleichzeitig der kurz zuvor von hinten eingeführte Dampf durch 
ein Rohr (P) in den Schornstein (8) steigt und aus diesem mit lautem „Puch“ 
entweicht. Mit dem so hin und her getriebenen Kolben steht jederseits ein großes 
Mittelrad durch eine Stange und Kurbel in Verbindung, das so in eine drehende 
Bewegung versetzt wird, die zugleich eine fortschreitende ist, da sie auf einer 
reibenden Unterlage, den Schienen, erfolgt. Oben auf dem Dampfkessel findet sich 
in V und V je ein Sicherheitsventil. Das Ventil in V“ kann vom Lokomotiv= 
führer beliebig geöffnet werden. Das Ventil in V wird durch eine Feder (W) 
mit einem Hebelarme herabgezogen, öffnet sich aber von selbst, sobald die Spann- 
kraft des Dampfes in dem Dampfkessel zu stark wird. Ohne dieses Ventil könnte 
der Dampfkessel leicht zerspringen. (Bei X ist eine Dampfpfeife.)