Full text : Der Fehlspruch von Versailles.

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Erfolge  haben  muß,  die  kriegerischen  Gelüste  zu  beruhigen,  zu  denen
sich  der  französische  Chauvinismus  durch  den  Erfolg  der  Weltausstellung
fortreißen  lassen  könnte.)  In  Petersburg  fühlte  man  keinerlei  Veranlassung,
  die  Bedeutung  des  Zweibundes  gerade  jetzt  zu  unterstreichen,
obwohl  der  Finanzminister  Witte  im  Hinblick  auf  eine  neue  beabsichtigte
Anleihe  dafür  gewesen  zu  sein  scheint.

Die  Absage  des  Zaren  wurde  in  Frankreich  um  so  schmerzlicher
empfunden,  als  auch  der  französische  Botschafter  in  Petersburg,  Marquis
de  Montebello,  die  größten  Anstrengungen  gemacht  hatte,  den  Zarenbesuch
  durchzusetzen.  Der  Brüsseler  Bericht  vom  22.  Mai  erwähnt,
Montebello  habe  das  Versprechen  der  Zarenreise  bei  einem  Diner  zu
erlangen  gehofft,  das  ihn  nicht  weniger  als  100  000  Franken  gekostet
habe,  aber  seine  Hoffnung  sei  betrogen  worden.  Offensichtlich  habe  der
Zar  den  Wunsch,  die  extremen  Parteien  Frankreichs  weder  zu  stützen
noch  zu  ermutigen,  außerdem  hindere  ihn  ein  Gefühl  nationaler  Würde,
sich  zum  zweiten  Male  einer  politischen  Welt  zu  nähern,  die  der  seinigen
so  fremdartig  gegenüber  stehe.  Daß  verschiedene  französische  Blätter
sich  gerade  damals,  wo  Hungersnot  in  weiten  Bezirken  des  Zarenreiches
wütete,  in  übertriebenen  Lobsprüchen  der  wirtschaftlichen  Entwicklung
Rußlands  ergingen,  wurde  von  der  russischen  Presse  nicht  ohne  Ironie
festgestellt.

Es  verdient  Beachtung,  daß  das  Brüsseler  Außenministerium  auf
Grund  der  von  den  verschiedenen  Hauptstädten  eingehenden  Berichte
auch  seinerseits  den  Abschluß  der  Pariser  Weltausstellung  mit  einer  gewissen
  Sorge  herannahen  sah.  ‚Wenn  keine  England  feindlich  gerichtete
Handlung  der  Großmächte  in  diesem  Augenblicke  zustande  kommen
kann,  so  wird  es  doch  vielleicht  gegen  Ende  des  Sommers  anders  sein,
wenn  die  französische  Regierung  ihre  Bewegungsfreiheit  wiedergefunden
haben  wird,  und  man  gibt  der  Befürchtung  Ausdruck,  daß  der  Erfolg
der  Ausstellung  die  bereits  unaufhörlich  durch  die  nationalistische  Partei
erregten  Geister  noch  mehr  aufrühren  und  eine  Bewegung  schaffen  könnte,
die  eine  für  den  Frieden  Europas  gefährliche  Lage  schaffen  könnte‘“?).
Auch  in  England  sah  man  in  der  Beendigung  der  Pariser  Ausstellung
einen  gefährlichen  Termin  und  wollte  bis  zu  diesem  Tage  mit  der  Armee
wenigstens  Prätoria  erreichen.  Sei  das  nicht  möglich,  so  könnten  Verwicklungen
  entstehen.

Während  also  im  Jahre  1900  überall  Konfliktstoff  gelagert  war,
hielt  sich  Deutschland  durchaus  zurück.  Als  im  November  an  Stelle  des
Fürsten  Hohenlohe  Bülow  die  Geschäfte  als  Reichskanzler  übernimmt,
versichert  man  in  Brüssel?),  daß  ein  Wechsel  in  der  auswärtigen  Politik
des  Reiches,  die  der  Kaiser  in  ihren  großen  Linien  hauptsächlich  selbst
bestimme,  sich  daraus  nicht  ergeben  werde.  Wichtig  sei  der  Wechsel
aber  für  Deutschlands  Wirtschaftspolitik.  Bülow  müsse  sich  entscheiden,

1)  Brüssel,  22.  Mai  1900,  Bd.  I,  S.  6lff.
2)  Brüssel,  8.  März  1900,  Bd.  I,  S.  58/59.
3)  7.  November  1900,  Bd.  I,  S.  63/64.

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