III. Zehn Friedensjahre aufgeklärten Despotismus. 43
diplomatischen Bedrängnisse teilte, erfuhren für kleine Ver—
sehen oder infolge unverschuldeter Mißverständnisse Zurechtweisungen,
die ihr Ehrgefühl kränken mußten. Das höchste
erreichbare Lob war, wenn der König gestand, jemand habe
alles gethan, was er ihm hätte befehlen können. Eigene Ini—
tiative aber und selbständiges Denken waren ihm im allge—
meinen nicht genehm. Wen er um seine Meinung fragte, der
sollte sie frei äußern, sonst die gegebenen Befehle buchstäblich
ausführen. Und dabei schrieb der König gelegentlich z. B. seinen
Gesandten bestimmte kleine Schliche vor oder den Gebrauch
bestimmter Ausdrücke oder das Aufsuchen bestimmter Bekanntschaften.
Auch ihm waren die Beamten, selbst die höchstgestellten,
nur Räder einer Maschine, die an ihrem Platz die vorgeschriebene
Arbeit ohne eigenen Willen und ohne Prüfung ihrer Notwendigkeit
oder Bestimmung zu leisten hatten. Wenn trotzdem
in seiner Zeit das preußische Beamtentum sich in geistiger und
sittlicher Hinsicht beträchtlich hob, so war das eine ohne sein
Zuthun eingetretene segensreiche Wirkung der allgemeinen Steigerung
der Kultur, welche die Aufklärung gerade in den bürgerlichen
Kreisen herbeiführte. Fehlte ihm doch selbst das Verständnis
für den sittlichen Mut, mit dem ihres hohen Berufs voll
bewußte Richter sich nicht zu Vollstreckern königlicher Befehle
hergeben, sondern Vertreter eines auch über dem Könige stehenden
höheren Rechts sein wollten, das, aus der Idee des Staates
abgeleitet, durch kein königliches Belieben aufgehoben werden
kaun. Friedrich teilte seines Vaters Vorurteil gegen den starren
Formalismus des geschriebenen Rechts und hielt jeden Richter
für geneigt, den höher stehenden und mächtigeren auf Kosten
des kleinen Mannes zu begünstigen. So hat auch er in den
ordentlichen Rechtsgang willkürlich eingegriffen und Akte einer
Kabinettsjustiz geübt, die auch mit der ihnen zu Grunde liegenden
guten Absicht nicht zu entschuldigen waren. Dazu verleitete
ihn eine Art von Trugschluß, der dem Grundgedanken seines
sogenannten philosophischen Systems entsprang.
Bereits zu Beginn des Jahres 1750 hat Friedrich als
„Philosoph von Sanssouci“ für seine Freunde drei Bände
Gedichte, Epigramme, akademische Vorträge und Gedächtnis-