384 I. Der exekutive Kriminalbeamte.
Fingerabdrücke, andererseits die Erteilung von Auskunft auf Finger-
abdrücke betreffende Anfragen, soweit solche von einer Behörde aus-
gehen, obliegt.
Sendungen für diese Zentralstelle sind zu richten an die
Königl. Polizeidirektion, Abteilung C, Erkennungsdienst,
Dresden.
Das Fingerabdrucksystem zeichnet sich durch Einfachheit und Billigkeit aus.
Durch Einfachheit, weil der Polizeibeamte nur den Fingerabdruck zu nehmen braucht,
während die Klassifikation der Fingerabdruckkarte der Zentralstelle zukommt; durch
Billigkeit, weil als „Werkzeug“ ein Stück glattes Metall oder Stein, eine Kleinig-
keit Buchdruckerschwärze und eine kleine Walze genügen. Weitere Vorzüge des
Systems sind, daß jede Person nach kurzer Uebung an jedem beliebigen Orte deutliche
Fingerabdrücke aufnehmen kann und daß die Fingerabdrücke unmittelbare Abdrücke
sind, welche von dem Körper des Menschen selbst unter Bedingungen ausfgenommen
werden, die einen Fehler in bezug auf Abschreiben oder Eintragungen ausschließen.
Zur Kontrole der richtigen Reihenfolge der gerollten Abdrücke dient der Vergleich
mit den einfachen Abdrücken; die Aufnahme der Abdrücke von 10 Fingern nimmt
nur wenig Zeit in Anspruch. Die fragliche Person, die aufgenommen werden soll,
braucht sich nicht, wie bei der Körpermessung, teilweise der Kleidung zu entledigen.
Die Hauptaufgabe des Systems besteht nun in der Klassifikation und Bezeich-
nung der verschiedenen vorkommenden Muster der Papillarlinien.
Man unterscheidet in der Daktyloskopie zwei Papillarlinienmuster-
gruppen und zwar die L- Hauptgruppe und die W. Hauptgruppe.
Bevor wir die Mustergruppen besprechen, müssen wir uns über einige Voraus-
setzungen der Klassifikation und über einzelne besondere Auffälligkeiten in den Papillar=
linien klar sein.
Das Muster, welches den Fingerabdruck harakterisiert, liegt in einem Zwischenraume,
der in nachfolgender verschiedener Weise von Papillarlinien gebildet und umgeben wird.
1. Zweigt von einer fast wagerechten Papillarlinie in mehr oder weniger
steilem Bogen ein Papillarlinienast plötzlich ab, so spricht man von einer Gabelung
(Figur 1); von einem Auseinanderlaufen von Linien spricht man, wenn eine
anfangs wagerecht laufende Linie plötzlich ihre Richtung verläßt und steil aufwärts
und unter Beschreibung eines Bogens wieder steil abwärts steigt (Figur 2).
2. Das durch eine solche Gabelung einer Papillarlinie oder durch ein solches
Auseinanderlaufen zweier Papillarlinien an der Stelle der Gabelung oder des Aus-
einanderlaufens durch die beiden Zinken der Gabel oder die beiden auseinander
laufenden Linien entstehende Linienbild nennt man nach der aus mehreren Flußarmen
gebildeten Flußmündung bezw. dem griechischen Buchstaben D = & ein Delta
(siehe Figur 1 und 2, die Kreise). Der Punkt der Gabelung selbst wird äußerer
Terminus genannt. Bei wiederholter Gabelung derselben Papillarlinie ist der
äußere Terminus derjenige Gabelungspunkt, welcher dem den Fingerabdruck