Full text: Handbuch für den exekutiven Polizei- und Kriminalbeamten.Zweiter Band. 1905. (2)

390 I. Der exekutive Kriminalbeamte. 
unter welche die Fingerabdruckskarte einzulegen ist. Nach den Möglichkeiten der 
Kombinationen, in welchen die L-Muster und die W. Muster an den 10 Fingern 
vorkommen können, nimmt Henry 1024 Klassen mit zusammen 32 Serien und je 
32 Nummern an. 
Diese Klassifikation genügt aber nicht, weil die Abdruckskarten auf die 1024 
Klassen zu ungleich verteilt vorkommen. Hier tritt nun die Unterabteilung der 
Hauptgruppe L in die Bogenmuster (A) und die Ulnar= und Radialschlingen (U 
und R), die Unterabteilung der W.Hauptgruppe in Schnecken, zusammengesetzte, zu- 
fällige Muster usw. (s. oben) in praktische Verwertung. 
Weil die meisten Muster der L-Hauptgruppe angehören, ist für Karten mit 
vielen L-Mufiern besonders eine weitere Untereinteilung erforderlich. Vor allem 
erfordert die Klasse, welche lediglich L -Muster auf der Abdruckskarte aufweist, eine 
eingehende Untereinteilung. Die Bruchformel dieser Klasse würde nach obiger Be- 
rechnung 11 sein. Ebenso die Klasse 3 2/532 mit ausschließlich W= Mustern. 
Man ersieht, daß die Klassifikation viel Aufmerksamkeit erfordert und daß 
der Beamte es sich angelegen sein lassen muß, recht deutliche Fingerabdrücke zu 
nehmen, welche zur Registrierung geeignet sind. 
Um den Abdruck zu erhalten, wird die Metallplatte oder dergleichen 
gründlich gereinigt und eine Schicht von der Druckerschwärze mittels der Walze oder 
eines Stückchen Tuches darüber verbreitet. Um einen gerollten Abdruck aufzunehmen, 
wird der Ballen des obersten Fingergliedes von einer Nagelkante zur anderen über 
die geschwärzte Metallplatte gerollt und so den Seiten und dem unteren Teile der 
Fingerbeere ein vollständiger Ueberzug von Schwärze verliehen. Dieselbe Prozedur 
geht danach auf dem Papier vor sich, wobei sich ein Abbild der Furchen und Linien 
auf die Fläche überträgt. Beim Schwärzen des Fingers muß darauf geachtet werden, 
daß derselbe nicht zu stark aufgedrückt wird, damit nicht die Schwärze die kleinen 
Aushöhlungen ausfüllt, die als Täler und Furchen auf der Abdruckfläche zum Vor- 
schein kommen sollen. Ebensowenig darf der Abdruck auf dem Papier zu kräftig 
gemacht werden, da sonst ein verschwommenes Bild entsteht. Die gerollten Ab- 
drücke der Finger werden in ihrer natürlichen Anordnung genommen und dann zur 
Kontrole gleichzeitig die einfachen Abdrücke der Zeige-, Mittel-, Ring= und Klein- 
finger erst der linken und dann der rechten Hand. 
Sollte die Buchdruckerschwärze etwas zu dick sein, so kann dieselbe mit 
Terpentinöl verdünnt werden. 
21. Gaunerzinken und Geheimschrift. 
Wie die Verbrecher untereinander sich durch Zuruf von Gaunerworten zu 
verständigen suchen, wenden sie auch Zinken — Zeichen — an, um sich gegenseitig 
Mitteilungen zu machen. So hat der Gauner z. B. seinen bestimmten Kennzinken, 
durch welchen er im Falle der Not sich mit einem anderen ihm vorher unbekannten 
Kollegen verbindet. Der Zuruf „Kenn?", den der Eingeweihte wieder mit „Kenn“ 
beantwortet, wird häufig als Anknüpfung verwendet.
	        
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