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2. Schwerer Nuckfalls-
diebstahl mittels Ein-
schleichens, Einsteigens
und Erbrechens von Be-
hältnissen;
88 242, 243 Ziff. 7 und 2,
244 d. Str. G. Bs.
gCanz einfache,
aus wenigen Kinien be-
stehende Skizze.
Formularbuch.
Dresden, den 10. November 1904.
Der Konfektionsgeschäftsinhaber Simon Meyer
brachte gestern morgen zur Anzeige, daß in der ver-
gangenen Nacht in seinen in der König-Johann-
straße Nr. 19 gelegenen Geschäftsräumlichkeiten ein
Einbruchsdiebstahl verübt und, soviel er bisher habe
ersehen können, aus der sogenannten Portokasse etwa
5—6 Mark bares Geld sowie einige Briefmarken
gestohlen worden seien.
Ich begab mich sofort in Meyers Geschäfts-
räume und stellte hier folgendes fest.
Aller Wahrscheinlichkeit nach hat sich der Dieb
in dem Hause am Abend des 8. November, bevor
die Haustüre geschlossen worden ist, einschließen lassen.
In der Hausflur und in dem kleinen Hofraum des
Grundstückes stehen viele große Warenkisten, hinter
welchen sich der Dieb leicht verstecken konnte; der
Hof ist fast gar nicht, die Hausflur nur wenig
erleuchtet, so daß der Hausmann, der Markthelfer
Gottfried Seiler, im Hause 4. Etage wohnhaft, den
Versteckten nicht zu bemerken brauchte. Seiler will
um 10 Uhr die Haustüre nach der Straße und die
von der Hausflur nach dem Hofe führende Tür
ordnungsgemäß geschlossen und hierbei nichts ver-
dächtiges bemerkt haben.
Der Dieb kann sich entweder in der Hausflur
oder in dem Hofe versteckt haben. In einer Ecke
des Hofes führt ein starkes Wasserabflußrohr von den
oberen Stockwerken herab. Vergleiche die kleine Skizze.
Srizze.
Querdurchschnitt, gedacht im 1. Stockwerke des Hauses
König-Johannstraße 19.
Treppenflur
# 4 Hofraum
□
Treppenflur 0) — .
1 Wasserabflußrohr in der Hofecke mit den Klammern
a und b.
2 Dreiteiliges Fenster, welches im ersten Stockwerk aus
den Geschäftsräumlichkeilen nach dem Hofe sieht.
3 Flurfenster in dem ersten Stockwerke der Hausflur, aus
dieser nach dem Hofe sehend.