Full text: Handbuch für den exekutiven Polizei- und Kriminalbeamten.Zweiter Band. 1905. (2)

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Formularbuch. 
habe sich auch darauf eingelassen und sei nun von 
der Rössiger mit der Peitsche 7 oder 8 Mal so 
tüchtig auf das nackte Gesäß geschlagen worden, 
daß er große Schmerzen und Schwielen bekommen, 
von der Erhöhung der Wollust aber durchaus nichts 
gespürt habe. Die Rössiger habe ihn aber tüchtig 
ausgclacht. Er habe sich über dieses Vorkommnis 
sehr geärgert und lange geschämt. 
Als er nun am 6. d. Mts. die Rössiger zu- 
fällig besucht, habe er sie ebenfalls nicht gleich erkannt, 
wie sie auch ihn nicht erkannt habe. Plötzlich habe 
er sich aber besonnen beim Anblick der dahängenden 
Hundepeitsche, daß dies die Prostituierte aus Breslau 
sein müsse. Er habe sich in der Erinnerung geärgert 
und geschämt und beschlossen, sich zu rächen, zum 
mindesten sich mit ihr einen ähnlichen schlechten 
Witz zu machen. Um ihr einen tüchtigen Schreck 
einzujagen, habe er die Uhr mit Kette weggnommen. 
Er würde ihr sie in einigen Tagen freiwillig zurück- 
geschickt haben mit einer schriftlichen Erklärung seines 
Verhaltens unter Bezugnahme auf das Vorkommnis 
in Breslau. 
Die Rössiger bestritt, je in Breslau gewohnt 
zu haben und Eilert zu kennen. Obwohl sie eine 
Hundepeitsche zu solchen Zwecken führe, sei ihr doch 
niemals mit einem jungen Mann ein Vorkommnis, 
wie es Eilert beschreibe, passiert. Eilert blieb bei 
seiner Behauptung und meinte, er glaube nicht, daß 
er sich in der Person irre. 
Aus Eilerts Polizeiakten geht hervor, daß er 
bereits einmal wegen Diebstahl verurteilt und ein 
zweites Mal von der Anklage wegen Diebstahls vom 
hiesigen Königl. Schöffengerichte freigesprochen worden 
ist. In diesem letzten Falle hatte er ebenfalls einer 
Prostituierten Schmucksachen gestohlen — am 6. Juni 
1900 — und hierbei — vergl. die Urteilsabschrift 
Blatt 17 der Akten — dieselbe Darstellung wie 
heute zu seiner Entschuldigung vorgebracht, die 
ihm auch vom Gerichte geglaubt worden ist. Hier- 
durch und weil Eilert zunächst die Wegnahme von 
Uhr und Kette so hartnäckig geleugnet hat, dürfte 
wohl erwiesen sein, daß er jedenfalls diesesmal nicht
	        
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