Formularbuch.
Dresden, den 26. April 1904.
22. Jund- Die hier Trompetergäßchen 16, III bei Lukas
unterschlagung. wohnhafte Frieda Franziska Söhlmann zeigte
§ 246 d. Str.G.B. am 20. April d. Is. hier an, daß ihr
§ 905 ff. des B.G.Bs. « » .
Mc die am 16. Mai. 1876 in Döhlen geborene
Fabrikarbeiterin Clara Wally Geißler,
hier, Dürerplatz 37, IV bei Reinhardt wohnhaft,
einen goldnen Ring mit einem Opal im Werte
von 10 M. unterschlagen habe.
Diesen Ring habe sie zu Weihnachten 1903
von dem Markthelfer Friedrich Wilhelm
Sonntag, hier, Chemnitzerstraße 34, IV wohn-
haft, mit dem sic damals ein Verhältnis unter-
halten, geschenkt bekommen. Der Ring habe, wie
ihr Sonntag gesagt und sie sich auch nachträglich
bei dem Verkäufer desselben, dem Juwelier
Walther, Große Plauensche Gasse 7, hier,
erkundigt habe, 10 M. gekostet.
In den letzten Tagen des März 1904 habe
sie den Ring im Arbeitssaale der Kartonnagen-
fabrik von Mehlhorn, Chemnitzerstraße 76, oder in
dessen Vor= bezw. Nebenräumen verloren. Daß er
ihr gestohlen worden sei, könne sie nicht behaupten.
Sie werde ihn beim Waschen verlegt haben.
Wie sie nun gestern von einigen Mit-
arbeiterinnen in Erfahrung gebracht habe, trage
die Geißler, welche auch bei Mehlhorn in Arbeit
stehe, den Ring, aber nur außerhalb der Arbeitsszeit.
Die Geißler wisse auch ganz genau, daß der Ring
ihr, der Söhlmann, gehöre, weil sie ihn sehr oft
bei ihr gesehen habe.
Die gestern in ihrer Wohnung aufgesuchte
Beschuldigte Geißler konnte nicht in Abrede stellen,
den Ring zu besitzen, da sie ihn, wie ich gleich sah,
an ihrem Finger trug. Auf Befragen nach dem
Erwerbe des Ringes, erklärte sie, denselben im Hofe
der Fabrik von Mehlhorn, keinesfalls in geschlossenen
Räumen derselben, vor etwa 14 Tagen gefunden
zu haben. Sie bestritt zunächst zu wissen, daß die
Söhlmann den Ring verloren habe; sie habe den Ring
bei ihr nicht gesehen und auch, da sie mit der Söhlmann