VI. Betrug. 83
burg trägt. In diesem Briefe teilt Lauckner dem
Henke etwas dunkel mit, er sei in Henkes Angelegenheit
an den Rhein gereist und werde, sobald er selbst
etwas erreicht habe, Henke benachrichtigen.
Weil Henke weiß, daß Lauckner einen Onkel,
Fabrikanten Adolf Ohme, in Brüssel hat, und ver-
mutet, daß Lauckner mit dem nur in Deutschland
patentierten Apparat nach Belgien gehen wolle, hat
er gestern noch an Ohme telegraphiert und gebeten,
Laucknern, falls er dort auftauche, das Modell ab-
abzunehmen. Ohme hat laut des beifolgenden
Telegramms zurückdepeschiert, daß Lauckner ihn am
11. d. M. von München aus um Reisegeld nach
Brüssel gebeten, er aber diese Bitte abgeschlagen habe.
Henke hat sich besonnen, daß ihm Lauckner
wiederholt von den großen Telegrafenwerken Hugo
Aßler in München-Bogenhausen gesprochen habe,
und hat vermutet, daß Lauckner sein Modell und die
Erfindung dort anbiete. Auf ein gestern noch an Aßler
gesandtes Telegramm hat er laut ebenfalls beifolgender
Depesche heute die Antwort erhalten: „Landgraf und
Baumbach Modell hier angeboten, Lauckner unbekannt.“
Lauckner trete unter dem falschen Namen Landgraf —
Mädchennamecn seiner Frau — auf, und Baumbach
sei der
am 16. Mai 1870 in Erfurt geborene, hier,
Löbtauer Straße 31, 111 wohnhafte, zur Zeit
ebenfalls stellungslose Mechaniker
Georg Friedrich Baumbach.
Da sich Lauckner das Modell unter falschen
Angaben verschafft, die Spuren seiner Reiseroute
durch den Brief aus Oldenburg zu verwischen ver-
sucht und in München einen falschen Namen an-
genommen hat, so muß man annehmen, daß er in
unlauterer Absicht das Modell verwerten will.
Baumbach ist früher von Henke mit dem Bau von
Modellen in gleicher Erfindung beschäftigt und von
Lauckner offenbar zur Vorführung des Modells
mitgenommen worden. Henke bemerkt ausdrücklich,
daß er mit Baumbach seit Monaten nichts zu tun
gehabt, ja sich mit ihm überworfen habe.