34. Veruntreute und
unterschlagene Ver-
mögensstücke.
§§ 266 Ziffer 1, 246,
d. Str. G. Bs.
VI. Belrug. — VII. Untrenc. 87
Da die Lauckner ihrem Ehemanne sicher auf seinen
ersten Brief nach München — wahrscheinlich haupt-
postlagernd auf den Namen Max Landgraf —
geantwortet hat, wird abzuwarten sein, ob aus diesem
Briefe Lauckners wahre Absicht erhellt. Da der
Lauckner die Verhaftung ihres Mannes verschwiegen
worden ist, unternimmt sie es vielleicht auch, unter
der gleichen Adresse ihren Mann zu warnen. Der
Brief würde auf dem Hauptpostamte München zu
beschlagnahmen sein, da ihn Lauckner nicht mehr ab-
holen kann.
VII. Antreue.
Leipzig, den 31. März 1904.
Die hier Pfasfendorferstraße 41, IV wohnhafte
Fabrikarbeiterswitwe Arbeiterin Franziska Klose
zeigte am 28. d. M. hier an, daß
der am 6. März 187 8 hier geborene Stellmacher
Rudolf Viktor Blase,
hier, Universitätsstraße 37, III wohnhaft,
vom hiesigen Rönigl. Amtsgericht 1903 als Vor-
mund für ihre unmündigen Kinder Ernst Otto und
Anna Olga Klose in Pflicht genommen worden sei.
Am 2. Januar d. J. sei eine Schwester ihres ver-
storbenen Ehemannes, die Mühlenbesitzersehefrau
Henrictte Steglig in Kamenz, verstorben und
habe ihren Kindern je 100 M. hinterlassen. Sie habe
Blase das Geld, welches ihr mit der Post zugesendet
worden sei, mit dem Auftrage übergeben, es in
cinem Einlagebuche der hiesigen städtischen Sparkasse
auf die Namen ihrer Kinder anzulegen und dieses
dann vom Vormundschaftsgerichte mit Sperrdekret
versehen zu lassen. So habe auch die protokollarische
Anweisung des Vormundschaftsgerichts gelautet. Als
sie nun vor einigen Tagen für ihre Kinder zur Be-
schaffung von Kleidung habe Geld abheben wollen,
habe sich herausgestellt, daß Blase auf das Spar-