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Formularbuch.
Er habe bei dem
am 10. November 1852 in Bunzlau geborenen
Zimmermeister und Hausbesitzer
Reinhard Emil Obenaus,
hier, Marktstraße 31 wohnhaft,
seit 1. Oktober 1902 eine in dessen Hause im
Parterre links gelegene, aus Stube, Kammer und
Küche bestehende Wohnung zum jährlichen Miets-
zinse von 300 M., zahlbar in vierteljährlichen
Vorauszahlungen von 75 M., innegehabt, habe die
am 1. April d. J. fällig gewesene Miete nicht be-
zahlen können und sei auf dieselbe auch, durch
Versäumnisurteil des hiesigen Amtsgerichts dazu
verurteilt, erfolglos ausgepfändet worden, habe auch
auf Antrag des Obenaus den Offenbarungseid
leisten müssen. Am 1. Juli d. J. habe ihm nun
Obenaus unter Einhaltung der vereinbarten viertel-
jährlichen Kündigungsfrist für 30. September die
Wohnung gekündigt gehabt. Er habe auch auf das
dritte Quartal dieses Jahres den Mietzins nicht
bezahlen können, sei aber auf dessen Zahlung und
auf Räumung der Wohnung nicht verklagt worden.
Eine neue Wohnung habe er noch nicht finden können.
Am 14. d. M. aber habe nun Obenaus in
einem Augenblicke, als die verehel. Seifert, die Vor-
saaltüre der Wohnung offen stehen lassend, sich auf
den Abort begeben habe, diese Gelegenheit offenbar
abgepaßt und die nach der Hausflur gehende Vor-
saaltüre seiner Wohnung schnell ausgehoben und ver-
steckt. Während danach seine Frau vor Schrecken zu
ihm an seine nahe Arbeitsstelle gekommen und ihm
von dem Vorkommnisse Mitteilung gemacht, habe
Obenaus, wie die beiden in der Wohnung verbliebenen
10 und 12 Jahre alten Kinder Hilde und Walther
ihm und seiner Ehefrau bei ihrer Rückkunft erzählt
hätten, auch noch die von der Stube und der Kammer
in den Vorsaal führenden Türen ausgehoben und
fortgeschafft.
Ich begab mich sofort mit Seifert nach dem
Hause Marktstraße 31 und fand den geschilderten
Zustand bestätigt.